Betrug am Telefon und an der HaustürRatgeber

Betrug mit KI-Stimmen und Deepfakes: woran du ihn erkennst

Beim Betrug mit KI-Stimmen ahmen Täter die Stimme einer vertrauten Person nach, etwa am Telefon, per Sprachnachricht oder im Videoanruf, und fordern unter Zeitdruck Geld. Leg im Zweifel auf und ruf die Person unter der Nummer zurück, die du gespeichert hast. Vereinbare mit deiner Familie ein Codewort für echte Notfälle, das eine KI nicht kennen kann.

Eine Frau in den Fünfzigern steht am Küchenfenster und hält ein Telefon ans Ohr
Bild: KI-generiert

Die Stimme klingt nach der Tochter, nach dem Enkel oder nach der eigenen Chefin, und sie braucht sofort Geld. Mit künstlicher Intelligenz lassen sich Stimmen und Videos erzeugen, die echt wirken. Täter nutzen das, um sich als Verwandte, Kolleginnen oder Vorgesetzte auszugeben und an Überweisungen oder vertrauliche Informationen zu kommen [1]. Die Polizei warnt, dass KI immer ausgefeilter wird und sich leichter bedienen lässt, auch von Betrügern [2]. Ein Anruf oder eine Sprachnachricht allein beweist deshalb nicht, wer spricht.

Wie Täter Stimmen und Gesichter fälschen

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) unterscheidet bei gefälschten Stimmen zwei Verfahren. Beim Text-to-Speech erzeugt ein Programm aus einem vorgegebenen Text eine Tonaufnahme mit der Stimme der Zielperson. Bei der Voice Conversion wird eine vorhandene Aufnahme in die Stimme der Zielperson umgewandelt, der gesprochene Inhalt bleibt gleich [3]. Bei Gesichtern beschreibt das BSI unter anderem das Austauschen von Gesichtern und die Steuerung von Mimik und Kopfbewegungen; manche dieser Verfahren laufen nahezu in Echtzeit [3]. Das macht gefälschte Videoanrufe möglich.

Ein Studiomikrofon auf einem Schreibtisch in einem abgedunkelten Raum, daneben liegt ein Kopfhörer
Bild: KI-generiert

Wie viel Material die Täter brauchen

Für eine Stimmfälschung in hoher Qualität sind nach Angaben des BSI meist mehrere Stunden Aufnahmen der Zielperson nötig. Mit Hilfsdaten anderer Personen reichen einige Minuten. Die Forschung arbeitet an Verfahren, die nur wenige Sekunden brauchen, dann allerdings mit schlechterer Qualität [3]. Die Verbraucherzentrale Bremen schreibt, dass für Schockanrufe wenige Sprachschnipsel genügen, die Täter etwa aus sozialen Medien beziehen. Mit frei verfügbaren Diensten lassen sich daraus Tonaufnahmen erzeugen [4]. Für ein gefälschtes Gesicht genügen laut BSI wenige Minuten hochwertiges Videomaterial mit unterschiedlichen Gesichtsausdrücken und Blickwinkeln [3].

Typische Maschen mit gefälschten Stimmen

Die Polizei beschreibt eine Sprachnachricht oder einen Videoanruf, in dem eine vertraute Person blechern oder unnatürlich klingt und in einer Notlage schnell Geld verlangt, und als Praxisbeispiel den falschen Chef, der per Videoanruf eine dringende Zahlung fordert [1]. Nach einer Warnung der Polizei geben sich Täter mit gefälschten Bildern, Tonaufnahmen und Videos auch als Bekannte, Vorgesetzte oder Amtsträger aus, etwa beim Anlagebetrug [2].

Der Hilferuf eines Angehörigen

Beim Schockanruf berichtet eine Stimme, die nach einem Angehörigen oder Freund klingt, von einer Notlage und braucht dringend Geld. Das ähnelt dem klassischen Enkeltrick, trifft nach der Verbraucherzentrale Bremen aber inzwischen Menschen aller Altersgruppen, und der Hilferuf ist oft schwer als Fälschung zu erkennen [4]. Persönliche Details für die Geschichte sammeln die Täter laut Polizei im Internet und in sozialen Medien [2]. Wie der klassische Enkeltrick abläuft, erklärt die Seite Enkeltrick und Schockanruf.

Gefälschte Profile und Nachrichten

KI erzeugt nicht nur Stimmen. Die Polizei warnt vor personalisierten, sprachlich sauberen Nachrichten für Phishing, Chats und Messenger. Außerdem erfinden Täter mit KI Personen mit realistisch wirkenden Bildern und nutzen sie auf Dating-Seiten für Liebesbetrug [2]. Eine fehlerfreie Nachricht oder ein sympathisches Profilfoto sagt deshalb wenig darüber aus, wer dahintersteht.

Falsche Vorgesetzte und Geschäftspartner

Im Beruf zielen die Täter auf Beschäftigte, die Zahlungen freigeben dürfen. Das BSI nennt als Beispiel den CEO-Fraud, bei dem die Stimme einer Führungskraft imitiert wird [3]. Wie diese Masche im Unternehmen abläuft und welche Abläufe dagegen helfen, steht unter CEO-Fraud und Business E-Mail Compromise.

Woran du eine gefälschte Stimme erkennen kannst

Gefälschte Stimmen können typische Fehler haben. Das BSI zählt dazu einen metallischen Klang, eine monotone Betonung, falsche Aussprache, etwa bei englischen Wörtern in einem deutschen Modell, abweichende Akzente, unnatürliche Geräusche und eine zeitliche Verzögerung in der Antwort [3]. Die Polizei rät, auf eine blecherne oder unnatürliche Stimme, auf Hintergrundgeräusche und auf ungewöhnliche Betonung zu achten [1].

Bei Videos nennt das BSI sichtbare Übergänge am Rand des Gesichts, wechselnde Hautfarbe, verwaschene Zähne und Augen, eine eingeschränkte Mimik und eine uneinheitliche Beleuchtung [3]. Laut Polizei bewegt sich die Person im gefälschten Video manchmal merkwürdig, oder Lippen und Ton passen nicht genau zusammen [1].

Auf diese Merkmale allein solltest du dich nicht verlassen. Das BSI erwartet, dass Fälschungen von Hand immer schwerer zu erkennen sein werden [3]. Auch automatische Prüfprogramme sind unsicher: In einem Wettbewerb zur Erkennung von Deepfakes aus dem Jahr 2020 erreichte das beste Modell eine durchschnittliche Genauigkeit von 65,18 Prozent, bei reinem Raten wären es 50 Prozent [3]. Das BSI setzt deshalb auf Wissen: Wer die Angriffe und ihre typischen Fehler kennt, erkennt Fälschungen besser und achtet stärker darauf, woher eine Aufnahme stammt [3]. Als Gefahr nennt das BSI außerdem die Überwindung biometrischer Systeme, besonders die Erkennung eines Sprechers am Telefon und die Identifizierung per Video [3]. Nutzt deine Bank oder deine Versicherung eine Stimmerkennung am Telefon, frag nach, welche zusätzliche Prüfung sie verlangt.

Familien-Codewort und Rückruf

Die Schutzregeln von Polizei und Verbraucherzentrale kommen ohne Technik aus. Beide empfehlen, in der Familie ein Codewort für echte Notfälle zu vereinbaren, das bei einem verdächtigen Anruf abgefragt wird. Eine KI kann es nicht kennen [1, 4]. Kennt der Anrufer das Wort nicht, beendest du das Gespräch und prüfst die Lage über einen anderen Weg.

Ein älterer Mann und seine erwachsene Tochter sitzen am Esstisch und unterhalten sich bei Lampenlicht
Bild: KI-generiert

Auflegen und selbst zurückrufen

Im Zweifel legst du auf und rufst die Person unter der Nummer an, die du selbst gespeichert hast [1]. So erreichst du die echte Person. Alternativ hilft eine persönliche Frage, die nur die echte Person beantworten kann und die nicht öffentlich bekannt oder leicht zu recherchieren ist [1]. Die Verbraucherzentrale Bremen schlägt Fragen nach Orten oder Gegebenheiten vor, die nur die betroffene Person kennt, auch ungewöhnliche Fragen, die mit dem Gespräch nichts zu tun haben [4]. Gib am Telefon keine persönlichen Daten preis und triff keine schnelle Entscheidung, nur weil Druck aufgebaut wird [4]. Für den Arbeitsplatz rät die Polizei zu internen Sicherheitscodes oder festen Rückrufregeln und dazu, die Beschäftigten über die Masche zu informieren [1].

Angezeigte Nummer nicht als Beweis nehmen

Auch eine bekannte Nummer im Display beweist wenig. Beim Call-ID-Spoofing wird die angezeigte Rufnummer durch eine gefälschte ersetzt [5]. Seit dem 01.12.2022 muss die Anzeige einer deutschen Rufnummer unterdrückt werden, wenn der Anruf aus dem Ausland ins deutsche Netz kommt. Das Display zeigt dann meist "unbekannt" oder "anonym" [5]. Eine Ausnahme gilt für deutsche Mobilfunkkunden, die aus dem Ausland anrufen [5]. Deshalb kann auch eine echte Familiennummer mit unterdrückter Anzeige erscheinen, und eine bekannte Nummer schließt eine Fälschung nicht sicher aus.

Wenn du schon gezahlt hast

Melde dich sofort bei deiner Bank. Hast du Kartendaten oder Zugänge zum Online-Banking weitergegeben, kannst du Girocard, Kreditkarte und Online-Banking rund um die Uhr über den Sperr-Notruf 116 116 sperren lassen, aus dem Ausland über +49 116 116 oder +49 30 4050 4050 [6]. Aus dem deutschen Festnetz ist der Anruf kostenlos [6]. Die Reihenfolge der weiteren Schritte zeigt die Seite Karte und Konto sperren, Geld zurückholen.

Ein Mann in den Sechzigern spricht am Bankschalter mit einer Mitarbeiterin, beide von der Seite gesehen
Bild: KI-generiert

Notiere Datum, Uhrzeit, die Umstände und die angezeigte Rufnummer und erstatte Strafanzeige [4]. Bei verdächtigen Anrufen kannst du die Polizei sofort unter der 110 informieren [7]. Wurde eine gefälschte Nummer angezeigt, nimmt die Bundesnetzagentur über ihr Beschwerdeformular Hinweise an. Das sollte schnell geschehen, weil Verbindungsdaten meist nach etwa sieben Tagen gelöscht werden [5]. Wie die Anzeige abläuft, steht unter Betrug anzeigen.

Ob du dein Geld zurückbekommst, hängt davon ab, wer die Zahlung ausgelöst hat. Die Pflicht der Bank, den Betrag unverzüglich zu erstatten, gilt nach § 675u BGB für nicht autorisierte Zahlungen [8]. Hast du die Überweisung nach einem gefälschten Anruf selbst freigegeben, war sie autorisiert, und diese Pflicht greift nicht. Dann solltest du die Bank so schnell wie möglich bitten, das Geld zurückzuholen.

Wie oft KI bei Betrug im Spiel ist

Zahlen zum Ausmaß veröffentlicht das FBI für die USA: 2025 gingen dort mehr als 22.000 Beschwerden ein, die einen Bezug zu künstlicher Intelligenz hatten, mit Verlusten von mehr als 893 Millionen US-Dollar [9]. Bei sogenannten Notlagen-Betrügereien, bei denen eine geklonte Stimme einen Angehörigen in Not nachahmt, meldeten Betroffene 2025 Verluste von mehr als 5 Millionen US-Dollar [9]. Das FBI beobachtet, dass diese Masche inzwischen auch andere Familienmitglieder und enge Freunde in verschiedenen Notlagen nachahmt [9]. Weitere Maschen am Telefon, etwa Spam-Anrufe und gefälschte Nummern auf dem Handy, beschreibt handy.rocks im Ratgeber Telefonbetrug.

  1. Behörde Online-Betrug: Deepfake-Betrug. Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  2. Behörde Vorsicht Betrug: Bedrohungen durch KI. Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Stand 12.02.2026. abgerufen am 29.10.2026
  3. Behörde Deepfakes: Gefahren und Gegenmaßnahmen. Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Organisation Schockanrufe mit Künstlicher Intelligenz: Verbraucherzentrale Bremen warnt vor neuer Betrugsmasche. Verbraucherzentrale Bremen. Stand 27.02.2024. abgerufen am 29.10.2026
  5. Behörde Manipulation von Rufnummern. Bundesnetzagentur. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Organisation Karte sperren unter 116 116. Sperr-Notruf 116 116 e.V.. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  7. Behörde Vorsicht vor falschen Enkeln. Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  8. Gesetz § 675u BGB: Haftung des Zahlungsdienstleisters für nicht autorisierte Zahlungsvorgänge. Bundesministerium der Justiz. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  9. Behörde 2025 IC3 Annual Report, Seiten 39 und 40. Federal Bureau of Investigation, Internet Crime Complaint Center. Stand 2026. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 30.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.