Betrug am Telefon und an der HaustürRatgeber
Ältere Angehörige vor Betrug schützen: Gespräche, Absprachen und Hilfe im Ernstfall
Sprich mit älteren Angehörigen offen über die gängigen Maschen und vereinbart ein Kennwort für Anrufe in Notlagen. Die Polizei rät, bei Geldforderungen am Telefon sofort aufzulegen, unter der bekannten Nummer zurückzurufen und nie Geld oder Wertsachen an Unbekannte zu übergeben. Ist es passiert, helfen die Polizei unter 110, der Sperr-Notruf 116 116 und das Opfer-Telefon 116 006.

Betrüger zielen häufig auf Gruppen, die sie für besonders empfänglich halten, und dazu gehören nach Angaben der Polizei oft ältere Menschen [7]. Beim Enkeltrick rufen sie meist ältere, oft allein lebende Personen an [1]. Die Polizeiliche Kriminalprävention richtet ihre Seniorenbroschüre deshalb ausdrücklich auch an Angehörige, Freunde und Nachbarn [7]. Als Tochter, Sohn oder Enkel kannst du viel tun, ohne zu bevormunden: über die Maschen sprechen, feste Absprachen treffen und im Ernstfall da sein.
Warum ältere Menschen oft Ziel sind
Die Täter setzen nach Angaben der Polizei auf Unwissenheit und Verunsicherung [7]. Viele Maschen verbinden Schock, Zeitdruck und Einschüchterung, um zu schnellen Entscheidungen zu drängen [6]. Ziel sind Geld und Wertsachen, manchmal auch Verträge, Kredite oder Vollmachten [6].

Wie die Täter ihre Opfer finden, beschreibt die Polizei am Beispiel des Telefonbuchs: Einträge mit älteren Vornamen oder kurzen Rufnummern gelten als Hinweis auf ältere Menschen und werden gezielt angerufen [1]. Wer einmal betroffen war, dessen Rufnummer haben die Täter nach Einschätzung der Polizei höchstwahrscheinlich für weitere Versuche gespeichert [1].
In der Polizeilichen Kriminalstatistik 2025 erfasste die Polizei unter dem sonstigen Betrug 4.798 Fälle des Phänomens "Enkeltrick/Schockanrufe" und 4.567 Fälle mit falschen Polizeivollzugsbeamten; gezählt sind Taten, bei denen mindestens eine tatverdächtige Person im Inland gehandelt hat [11]. Beim Enkeltrick wurden nach Angaben der Polizei bereits Beträge im fünfstelligen Euro-Bereich erbeutet [1].
Die Maschen, die du kennen solltest
Wer die Abläufe kennt, erkennt sie am Telefon schneller. Die Polizei nennt vier Maschen, über die Angehörige mit älteren Menschen sprechen sollten [6]:
- Enkeltrick: Ein Anrufer gibt sich als Enkel in Geldnot aus, oft mit dem Einstieg "Rate mal, wer hier spricht", und kündigt einen Boten an, der das Geld abholt [1]. Mehr unter Enkeltrick und Schockanruf.
- Schockanruf: Ein angeblich naher Verwandter habe einen schweren Unfall verursacht; nur eine hohe Kaution verhindere die Untersuchungshaft [7]. Auf dem Handy halten die Täter ihre Opfer manchmal so lange in der Leitung, bis das Geld übergeben ist [2].
- Falsche Polizisten: Sie warnen vor Einbrechern oder unsicheren Banken und drängen dazu, Wertsachen "in Sicherheit" zu geben [6]. Mehr unter Falsche Polizisten am Telefon.
- Haustürbetrug: Angebliche Handwerker oder Verkäufer kommen in die Wohnung und führen überteuerte oder unnötige Arbeiten aus [6]. Mehr unter Betrug an der Haustür.
Dazu kommen Nachrichten per SMS oder Messenger, in denen sich Täter als Kinder oder Enkel mit neuer Nummer ausgeben und um eine schnelle Überweisung bitten; die geforderten Summen liegen nach Angaben der Polizei meist zwischen 1.000 und 3.000 Euro [4]. Mithilfe künstlicher Intelligenz lassen sich Stimmen von Angehörigen inzwischen täuschend echt nachahmen [5]. Wie das funktioniert, erklärt Betrug mit KI-Stimmen und Deepfakes. Falsche Bankmitarbeiter melden sich als besorgte Filialangestellte, berichten von verdächtigen Buchungen und fragen Passwörter, PIN und TAN ab [7]. Bei angeblichen Gewinnen soll vorab eine Gebühr fließen; die Broschüre der Polizei hält dagegen fest, dass niemand etwas gewinnen kann, der an keiner Lotterie teilgenommen hat [7].
Vorbeugen: was ihr gemeinsam vereinbaren könnt
Die Polizei empfiehlt Angehörigen, das Gespräch zu suchen und Eltern, Großeltern und Nachbarn über gängige Maschen aufzuklären [6]. Sie sollen erfahren, dass Misstrauen in solchen Situationen berechtigt ist und dass es klug ist, sich Zeit zu nehmen, eine Vertrauensperson zu fragen oder im Zweifel die Polizei anzurufen [6]. Die Polizei rät auch, sich gedanklich auf solche Anrufe vorzubereiten [2].
Ein Kennwort für Notlagen
Vereinbart in der Familie oder mit Freunden ein Kennwort, an dem ihr euch am Telefon erkennt [2]. Alternativ stellt man Fragen, die nur die echte Person beantworten kann [1]. Die Polizei rät außerdem, nicht zu raten, wer am Apparat ist: Anrufer sollen ihren Namen selbst nennen [1].
Telefonbuch und Messenger
Den Eintrag im Telefonbuch kann man ändern lassen. Die Polizei empfiehlt, den Vornamen abzukürzen, etwa "H. Schmidt", oder ihn ganz wegzulassen; noch besser sei es, sich ganz austragen zu lassen, weil das persönliche Umfeld die Nummer ohnehin kennt [1]. Die Änderung beantragt man per Formular beim Telefonanbieter oder über dessen Hotline [1]. Kommen häufig Betrugsanrufe, rät die Polizei zu einer neuen Rufnummer; für Opfer von Telefonbetrug ist der Wechsel in der Regel kostenlos [1].
Beim Messenger hilft es, das Profilbild nur für gespeicherte Kontakte sichtbar zu machen, damit Fremde schlechter einschätzen können, ob jemand ein geeignetes Opfer ist [4]. Den Verifizierungscode aus einer SMS gibt man nie weiter, und eine persönliche PIN beziehungsweise die Verifizierung in zwei Schritten schützt das Konto [4]. Wie du lästige Anrufe auf dem Handy oder Festnetz sperrst, beschreibt Spam-Anrufe blockieren auf handy.rocks.
Geld und Wertsachen
Wertsachen und größere Geldbeträge bewahrt man nach Rat der Polizei bei der Bank oder im Schließfach auf, nicht zu Hause [1]. Die Seniorenbroschüre empfiehlt, nur so viel Bargeld abzuheben, wie man zu Hause wirklich braucht, und kein Geld an unbekannte Konten zu überweisen [7].
Sicherheit an der Haustür
Für die Haustür nennt die Polizei klare Regeln [7]. Niemand ist verpflichtet, Unbekannte unangemeldet in die Wohnung zu lassen. Die Tür öffnet man nur mit vorgelegter Türsperre, und wo keine vorhanden ist, spricht man durch die geschlossene Tür [7]. Handwerker kommen nur herein, wenn man sie selbst bestellt hat oder die Hausverwaltung sie angekündigt hat [7]. Auch harmlos klingende Bitten, etwa um ein Glas Wasser für eine Tablette oder einen kurzen Anruf, sind laut Polizei ein bekannter Vorwand, um in die Wohnung zu kommen [7]. Von angeblichen Amtspersonen verlangt man den Dienstausweis und ruft bei Zweifeln die Behörde unter einer selbst herausgesuchten Nummer an, während die Person vor der verschlossenen Tür wartet [7].

Ein Türspion, ein zusätzliches Schloss oder eine Türsperre und eine Gegensprechanlage machen das leichter; die Polizei bietet kostenlose Beratungen zum Einbruchschutz an [7]. Drängt ein Verkäufer an der Tür auf sofortige Zahlung, rät die Broschüre, nichts zu unterschreiben, nichts bar zu bezahlen und die Polizei zu informieren [7]. Handwerker bezahlt man erst nach vollständig erledigter Arbeit, nie im Voraus [7].
Vollmachten mit Bedacht erteilen
Betrug kann auch über Vollmachten laufen. Die Seniorenbroschüre rät, frühzeitig eine Vorsorgevollmacht zu erteilen und dafür einen Menschen zu wählen, den man lange kennt und dem man voll vertraut; wer niemanden hat, verzichtet besser auf eine Vollmacht und legt in einer Betreuungsverfügung fest, wer als gerichtlich kontrollierter Betreuer eingesetzt werden soll [7]. Weitere Empfehlungen: wenn möglich zwei Bevollmächtigte, die sich gegenseitig kontrollieren, Befugnisse nur für die nötigen Angelegenheiten, die Bank einbinden und die eigenen Wünsche schriftlich festhalten, etwa ein Verbot von Schenkungen und Selbstbegünstigung [7]. Bei Missbrauch wird die Vollmacht sofort widerrufen, besonders die Bankvollmacht [7].
Wenn der Anruf kommt
Am Telefon helfen wenige, einfache Sätze. Die Polizei rät beim Schockanruf: "Legen Sie sofort auf!" [2]. Danach ruft man den angeblichen Angehörigen oder eine Vertrauensperson unter der bekannten Nummer an [2]. Über persönliche und finanzielle Verhältnisse spricht man am Telefon nicht, und Geld oder Wertsachen übergibt man niemals an Unbekannte, auch nicht an angebliche Polizisten [1, 2].
Die Seniorenbroschüre rät, immer aktiv aufzulegen und für Rückrufe die bekannte Nummer selbst zu wählen und nie die Rückruffunktion zu nutzen [7]. Hintergrund: Falsche Polizisten spielen ein Freizeichen ein und tun so, als könne man jetzt die 110 wählen, obwohl das erste Gespräch nie beendet wurde [7]. Die 110 wird zudem nie rechtmäßig als Anrufernummer angezeigt [10]. Echte Polizisten fordern niemals Geld am Telefon [3].
Wenn es passiert ist
Bei einem verdächtigen Anruf oder einer laufenden Geldübergabe informiert man sofort die Polizei über die 110 [1]. Die Polizei bittet, jede Tat anzuzeigen, weil das hilft, Zusammenhänge zu erkennen und Täter zu überführen [1]. Wurden Bank- oder Kartendaten genannt, lassen sich Karten und Konten über den Sperr-Notruf 116 116 sperren, der rund um die Uhr erreichbar ist [5, 8]. Bei einer Überweisung nach einer Messenger-Nachricht rät die Polizei, den Chatverlauf zu sichern, Anzeige zu erstatten und sofort die Bank anzurufen; in manchen Fällen lässt sich das Geld noch zurückholen [4]. Die Schritte in der richtigen Reihenfolge zeigt der Notfallplan nach Betrug.

Genauso wichtig ist, wie die Familie reagiert. "Geben Sie sich keine Mitschuld", schreibt die Polizei an Betroffene, denn die Täter tragen die alleinige Schuld am Betrug [4]. Gesprächsbedarf nach einer Tat fängt das Opfer-Telefon des WEISSEN RINGS unter 116 006 auf, täglich von 7 bis 22 Uhr, kostenfrei und anonym [9]. Welche seelischen Folgen Betrug haben kann, beschreibt Psychische Folgen von Betrug.
- Behörde Enkeltrick. Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Schockanrufe. Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Betrug durch falsche Polizisten. Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Messenger-Betrug. Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Falsche Enkel, echte Gefahr: Telefonbetrug rechtzeitig durchschauen (Pressemitteilung). Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Stand 25.02.2026. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Neujahrsvorsatz: Sprechen Sie mit Bekannten über Betrugsmaschen. Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Stand 30.12.2024. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Im Alltag sicher leben: Informationen Ihrer Polizei für Seniorinnen und Senioren (Broschüre), Seiten 5 bis 22 und 53 bis 55. Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Stand 02/2026. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Sperr-Notruf 116 116. Sperr-Notruf 116 116 e.V.. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Opfer-Telefon. WEISSER RING e.V.. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Manipulation von Rufnummern. Bundesnetzagentur. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Polizeiliche Kriminalstatistik für das Jahr 2025, Ausgewählte Zahlen im Überblick (IMK-Bericht), Seiten 31 und 72. Bundeskriminalamt. Stand 04/2026. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 30.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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