Spam und PhishingRatgeber

Auf einen Phishing-Link geklickt: was jetzt zu tun ist

Was zu tun ist, hängt davon ab, wie weit du gegangen bist: Bei eingegebenen Bank- oder Kartendaten sperrst du sofort über den Sperr-Notruf 116 116 und rufst deine Bank an, bei einem verratenen Passwort änderst du es sofort und beendest alle aktiven Sitzungen. Hast du nur geklickt, prüfst du das Gerät auf Schadsoftware. In jedem Fall erstattest du Anzeige und bewahrst die Mail auf.

Ein Mann in den Vierzigern sitzt nachts am Esstisch, eine Hand auf einem zugeklappten Laptop
Bild: KI-generiert

Ein Klick auf einen Phishing-Link passiert schnell, gerade wenn die Mail echt aussieht. Wie ernst die Lage ist, hängt davon ab, was danach geschah: ob du nur eine Seite geöffnet, Daten eingetippt oder eine Datei heruntergeladen hast. BSI und Polizei haben für diese Fälle eine gemeinsame Checkliste veröffentlicht, die nach Art der preisgegebenen Daten unterscheidet [1]. Lösch die Mail nicht. Hast du schon auf einen Link geklickt oder einen Anhang geöffnet, dient sie der Polizei als Beweismittel [2].

Erst einordnen: was ist passiert?

Was passiert istErster Schritt
Bank- oder Kartendaten eingegebenZugang sperren über den Sperr-Notruf 116 116, dann die Bank anrufen [1]
Passwort für E-Mail, Shop oder ein anderes Konto eingegebensofort ein neues Passwort vergeben, alle aktiven Sitzungen beenden [1]
Datei geöffnet oder Programm installiertGerät nicht weiter benutzen, vom Netz trennen und prüfen [2, 3]
Nur geklickt, nichts eingegebenVirenschutz und Browser aktualisieren, Gerät vollständig prüfen [2]
Danach Geldforderung erhaltennicht zahlen, Polizei oder Verbraucherzentrale einschalten [1]

Nur geklickt, nichts eingegeben

Hast du die Seite geöffnet, aber nichts eingetippt und nichts heruntergeladen, lässt sich eine Infektion trotzdem nicht ganz ausschließen. Beim sogenannten Drive-by-Download installiert sich ein Schadprogramm allein durch den Aufruf einer manipulierten Seite, ohne weiteres Zutun. Die Täter nutzen dafür Sicherheitslücken, die noch nicht geschlossen sind [3]. Die Verbraucherzentrale empfiehlt deshalb nach einem Klick, Virenschutz und Browser zu aktualisieren, den Computer vollständig prüfen zu lassen und bei Bedarf Fachleute hinzuzuziehen [2]. Findet der Virenscanner etwas, änderst du laut BSI umgehend wichtige Passwörter, vor allem für das E-Mail-Konto und für Bank-, Zahlungs- und Shopping-Konten [6].

Ein zugeklappter Laptop neben einem abgezogenen, aufgerollten Netzwerkkabel auf einem Holzschreibtisch
Bild: KI-generiert

Auch ohne Fund lohnt ein Blick auf die Aktualisierungen. BSI und Polizei raten, Updates für Betriebssystem und Anwendungen auf allen Geräten einzuspielen, sobald sie verfügbar sind, und ein Antivirenprogramm zu nutzen oder die eingebaute Antivirenfunktion des Betriebssystems zu aktivieren [1].

Passwort oder Zugangsdaten eingegeben

Hast du auf der gefälschten Seite dein Passwort für ein E-Mail-Konto, einen Onlineshop oder ein soziales Netzwerk eingegeben, zählt Tempo. Die Checkliste von BSI und Polizei nennt diese Schritte [1]:

  1. Vergib so schnell wie möglich ein neues Passwort.
  2. Beende gleich danach in den Einstellungen alle aktiven Sitzungen. Wer auf einem anderen Gerät eingeloggt ist, verliert damit den Zugriff.
  3. Prüf, ob Einstellungen geändert oder Einkäufe getätigt wurden. Lässt sich das nicht rückgängig machen, wende dich an den Anbieter.
  4. Kontaktiere den Anbieter auch, wenn du nicht mehr auf dein Konto zugreifen kannst. Möglicherweise haben Unbefugte das Passwort geändert.
  5. Sieh nach, ob in dem Konto Bankdaten hinterlegt und sichtbar waren. Dann informierst du deine Bank.

Das E-Mail-Konto zuerst

Ein übernommenes Postfach ist besonders heikel, weil sich darüber die Passwörter anderer Dienste zurücksetzen lassen. Prüf deshalb, ob weitere Konten betroffen sein können, etwa weil du die Adresse zum Zurücksetzen von Passwörtern hinterlegt hast oder dich per Single-Sign-On über einen Drittanbieter anmeldest. Dort änderst du ebenfalls das Passwort [1]. Die Verbraucherzentrale rät, im Postfach Filterregeln und Weiterleitungen zu kontrollieren und gegebenenfalls zurückzusetzen [4]. Für die Änderungen nimmst du am besten ein anderes Gerät, denn das erste kann mit Schadsoftware infiziert sein; vorher empfiehlt die Verbraucherzentrale einen Virenscan [4].

Kommst du gar nicht mehr hinein, haben die Angreifer oft eine eigene Zwei-Faktor-Authentisierung eingerichtet. Dann hilft nur der Anbieter selbst. Gelingt die Wiederherstellung nicht, kann der Zugang laut Verbraucherzentrale dauerhaft verloren sein [4]. Warne Familie, Freunde und Kollegen, damit sie nicht auf Nachrichten hereinfallen, die die Täter in deinem Namen verschicken [4].

Für die Zukunft empfehlen BSI und Polizei ein starkes Passwort zusammen mit der Zwei-Faktor-Authentisierung oder Passkeys als passwortlose Alternative [1]. Wie das geht, steht unter Sichere Passwörter und Anmeldung in zwei Schritten.

Verknüpfte Konten und Bezahlfunktionen

Hat ein betroffenes Konto eine Bezahlfunktion, etwa bei einem Shop, kontrollierst du die Bestellhistorie, informierst den Shop und stornierst verdächtige Bestellungen, wenn das noch geht [4]. Ob deine Zugangsdaten schon in einem Datenleck aufgetaucht sind, kannst du nach der Verbraucherzentrale über Dienste wie den Identity Leak Checker des Hasso-Plattner-Instituts oder den Leak-Checker der Universität Bonn prüfen. Betroffene oder ähnliche Passwörter änderst du dann ebenfalls [4]. Mehr dazu steht unter Prüfen, ob deine Daten in einem Datenleck stecken.

Bank- oder Kartendaten eingegeben

Hast du Kreditkartendaten oder die Zugangsdaten zum Online-Banking verraten, sperrst du den Zugang über den Sperr-Notruf 116 116, der aus dem deutschen Festnetz kostenfrei ist, aus dem Ausland über +49 116 116, wobei Gebühren anfallen können [1, 5]. Über die 116 116 lassen sich Girocard, Kreditkarte und Online-Banking sperren, rund um die Uhr, auch an Feiertagen [5].

Eine Frau in den Sechzigern telefoniert im Wohnzimmer, neben ihr liegt eine Geldbörse auf der Armlehne
Bild: KI-generiert

Das BSI beschreibt für das Online-Banking einen noch schnelleren Weg: Lade wenn möglich zuerst einen Auszug deiner Kontoumsätze herunter. Dann sperrst du den Zugang, am schnellsten durch dreimal hintereinander falsch eingegebene PIN [9]. Danach wendest du dich sofort an deine Bank und meldest die Auffälligkeiten; möglicherweise lassen sich Kontobewegungen noch rückgängig machen [9]. Kontrolliere die Umsätze deines Kontos und sprich mit der Bank über die weiteren Schritte [1]. Nach der Entsperrung nutzt du nur noch neue Passwörter und PINs [1]. Wie Sperre, Rückbuchung und Haftung zusammenhängen, erklären Karte und Konto sperren, Geld zurückholen und Wer zahlt, wenn Betrüger dein Konto leeren.

Hast du nur Adresse oder Telefonnummer preisgegeben, rät die Verbraucherzentrale, bei Post und Anrufen in nächster Zeit besonders vorsichtig zu sein [2].

Datei geöffnet oder App installiert

Hat der Link eine Datei heruntergeladen, die du geöffnet hast, oder sollst du ein Programm installiert haben, nutzt du den Rechner nicht weiter, bis er wieder sicher ist. Arbeite bis dahin an einem anderen Gerät [2]. Zum Prüfen empfiehlt die Verbraucherzentrale ein Notfallsystem, das von einem externen Laufwerk startet, weil aktuelle Virenschutzprogramme keine hundertprozentige Sicherheit bieten [2, 3]. Im Zweifel musst du das System neu aufsetzen [2]. Die Verbraucherzentrale NRW beschreibt in einer gemeinsam mit dem BSI herausgegebenen Broschüre diese Reihenfolge [3]:

Eine externe Festplatte und ein USB-Stick liegen neben einem zugeklappten Laptop auf einem Schreibtisch
Bild: KI-generiert
  1. Trenn das Gerät vom Netzwerk.
  2. Sichere persönliche Daten wie Dokumente und Bilder auf einem externen Medium. Hat Ransomware Dateien verschlüsselt und gibt es kein Backup, bewahrst du die verschlüsselten Daten auf, weil sie sich später vielleicht entschlüsseln lassen.
  3. Installiere das Betriebssystem neu.
  4. Spiel eine aktuelle Antivirensoftware ein und bring Betriebssystem und Anwendungen auf den neuesten Stand.
  5. Prüf die gesicherten Daten auf Schadsoftware. Installiere keine Programme aus der Sicherung, sie könnten infiziert sein.
  6. Ändere die Passwörter aller Online-Zugänge, etwa für E-Mail und soziale Netzwerke.

Der Neuaufbau ist aufwendig, aber laut BSI begründet: Viele Schadprogramme nehmen tiefgreifende Änderungen am System vor, deshalb rät das Amt zur Neuinstallation und danach zur Änderung aller Passwörter [10]. Mehr zu Dateien in Mails steht unter Gefährliche E-Mail-Anhänge.

Beweise sichern und Anzeige erstatten

BSI und Polizei raten, in jedem Fall Anzeige bei der örtlichen Polizeidienststelle zu erstatten, auch bei einem vagen Verdacht. Als Opfer von Internetkriminalität hast du die gleichen Rechte wie Opfer anderer Straftaten [1]. Einfache Fälle wie Betrug im Internet kannst du auch über die Onlinewache deines Bundeslands anzeigen. Liegt der Tatort im Internet, wählst du das Bundesland deines Wohnsitzes; Screenshots kannst du als Anhang hochladen [8].

E-Mails, Chatverläufe und Fotos sind wichtige Beweismittel. Die Polizei bittet, sie bis zum ersten Kontakt möglichst unverändert zu lassen. Du kannst sie abspeichern, ausdrucken oder als Screenshot sichern und zur Anzeige mitbringen [7]. Halte außerdem fest, wann du geklickt, was du eingegeben und wen du schon informiert hast; ist ein Konto endgültig verloren, rät die Verbraucherzentrale, den ganzen Vorgang zu dokumentieren und aufzubewahren [4]. Wie die Anzeige abläuft, erklärt Betrug anzeigen. Die Phishing-Mail selbst kannst du zusätzlich melden, damit andere gewarnt werden: Spam und Phishing melden.

Wenn danach Forderungen kommen

Manchmal folgt auf den Klick eine Geldforderung, etwa eine Drohung, Daten zu veröffentlichen, oder eine angebliche Rechnung. BSI und Polizei sind hier eindeutig: Zahl kein Geld an Kriminelle, denn das ermutigt sie zu weiteren Forderungen und Angriffen. Wende dich an die Polizei, die Verbraucherzentrale oder einen Rechtsbeistand [1]. Typische Drohmails beschreibt Erpressungsmails mit angeblichem Video. Mahnungen oder Inkassoschreiben, die du nicht zuordnen kannst, zählt die Verbraucherzentrale zu den Anzeichen eines gehackten Kontos [4]. Hilfe zum Umgang mit den Folgen bietet die Opferhilfe, etwa der Verein WEISSER RING unter 116 006 [4].

  1. Behörde Phishing: Checkliste für den Ernstfall. BSI und Polizeiliche Kriminalprävention. Stand 07.07.2025. abgerufen am 29.10.2026
  2. Organisation Phishing-Mails: Woran Sie sie erkennen und worauf Sie achten müssen. Verbraucherzentrale e.V.. Stand 25.03.2026. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Schadprogramme: So schützen Sie sich. Verbraucherzentrale NRW e.V.. Stand 12/2021. abgerufen am 29.10.2026
  4. Organisation Erste Hilfe bei gehackten Online-Konten. Verbraucherzentrale e.V.. Stand 08.10.2025. abgerufen am 29.10.2026
  5. Organisation Karte sperren unter 116 116. Sperr-Notruf 116 116 e.V.. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Behörde Gefälschte E-Mail-Adressen: was tun?. Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  7. Behörde Cybercrime: Kriminalität im Internet. Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  8. Behörde Willkommen bei den Onlinewachen der Polizeien in Deutschland. Polizeien des Bundes und der Länder. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  9. Behörde Was tun im Ernstfall?. Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  10. Behörde Schadprogramme: Fragen & Antworten. Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 30.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.