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Recovery Scam: wenn angebliche Helfer dein verlorenes Geld zurückholen wollen

Beim Recovery Scam melden sich Betrüger bei Menschen, die schon Geld verloren haben, und versprechen, es gegen eine Vorabgebühr zurückzuholen. Sie geben sich als Kanzlei, Ermittler, Verbraucherzentrale oder BaFin aus. Zahl nichts, gewähre keinen Fernzugriff und erstatte Anzeige; die BaFin holt kein Geld zurück und verlangt keine Gebühren.

Ein Mann in den Fünfzigern sitzt am Esstisch, hält ein Telefon und hebt abwehrend die andere Hand
Bild: KI-generiert

Wer bei einer falschen Trading-Plattform, einem Krypto-Angebot oder einem anderen Betrug Geld verloren hat, bekommt oft Wochen oder Monate später ein Angebot, das wie die Rettung klingt: Eine Kanzlei, ein Ermittlungsbüro oder sogar eine Behörde will das Geld aufgespürt haben und zurückholen. Dafür sei nur eine Gebühr fällig. Hinter solchen Angeboten stehen häufig wieder Betrüger. Im Englischen heißt die Masche Recovery Scam, die Verbraucherzentrale NRW spricht von Anschlussbetrug [6].

So läuft die Masche ab

Die Polizei beschreibt den typischen Ablauf so: Betrugsopfer werden von angeblichen Kanzleien angesprochen, die verlorenes Geld zurückholen wollen. Sie werben mit erfahrenen Spezialisten, teils mit Titeln und oft mit einer Erfolgsgarantie [1]. Die Geschichten dahinter sind laut Polizei meist erfunden, etwa dass das Geld in Krypto-Wallets gefunden worden sei [1]. Dann verlangen die Täter Honorare oder Vorauszahlungen für angebliche Transferkosten. Wer zahlt, wird erneut betrogen, und die versprochene Hilfe bleibt aus [1].

Ein Angelhaken mit einem glänzenden Köder hängt an einer Schnur über ruhigem dunklem Wasser im Morgendunst
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Häufig wollen die angeblichen Helfer außerdem per Fernwartung auf deinen Computer zugreifen, angeblich für die Rückbuchung. Dabei können sie Schadsoftware installieren [1]. Die BaFin nennt Programme wie AnyDesk oder TeamViewer, mit denen die Anrufer auf den Rechner zugreifen wollen, und rät ausdrücklich davon ab, das zuzulassen [5].

Die US-Bundespolizei FBI hat dieselbe Masche beschrieben. Angebliche Firmen zur Rückverfolgung von Kryptowerten verlangen eine Vorabgebühr und brechen danach den Kontakt ab oder liefern einen unvollständigen oder falschen Bericht und fordern weiteres Geld [7]. Sie sprechen Opfer direkt über soziale Netzwerke und Messenger an oder werben in Kommentarspalten, Videos und Suchergebnissen [7].

Welche Rollen die Täter spielen

Die angeblichen Helfer treten in verschiedenen Verkleidungen auf. Allen gemeinsam ist, dass sie Vertrauen durch einen bekannten Namen oder eine Amtsbezeichnung erzeugen wollen.

Falsche Anwaltskanzleien

Fake-Kanzleien geben sich als Anwälte aus oder versprechen Zugang zu spezialisierten Anwälten [1]. Die Polizei weist darauf hin, dass Anwälte in der Regel nur tätig werden, wenn der mutmaßliche Täter bekannt ist, was bei solchen Betrugsfällen meist nicht der Fall ist. Anwälte sind keine Detektive und ersetzen keine Ermittlungsbehörden [1]. Täter nutzen oft echte Firmendaten aus dem Handelsregister, die aber nicht zum angeblichen Geschäftszweck passen [1]. Die Rechtsanwaltskammer Berlin führt eine Liste solcher Fake-Anwälte; laut Polizei machen die Täter allerdings häufig unter einer neuen Webadresse weiter [1]. Das FBI berichtet von falschen Kanzleien, die vorgeben, Informationen von Behörden zum Fall des Opfers zu haben, und die neben Vorschüssen auch angebliche Steuerschulden oder Gebühren verlangen [8]. Zwischen Februar 2023 und Februar 2024 meldeten Opfer dieser Masche beim FBI Verluste von mehr als 9,9 Millionen Dollar [8].

Angebliche Behörden wie die BaFin

Täter missbrauchen auch den Namen der Finanzaufsicht. Die BaFin warnte schon 2021 vor gefälschten Schreiben an Geschädigte von Handelsplattformen. Darin hieß es, die BaFin gebe eingefrorene Anlegergelder gegen eine Gebühr von 10 oder 14 Prozent frei [4]. Die Schreiben enthielten Namen, Einzahlungsbeträge und Daten der Opfer. Die BaFin wertete das als starkes Indiz, dass die ursprünglichen Täter oder Personen mit deren Kundendaten dahinterstehen [4]. Am 04.05.2026 warnte sie erneut vor Unbekannten, die per E-Mail oder Telefon Hilfe beim Zurückholen von Geld anbieten und behaupten, mit der BaFin zusammenzuarbeiten [2].

Die BaFin stellt klar: Die Rückholung verlorener Investitionen, Kryptoerträge oder Betrugsschäden gehört nicht zu ihren Aufgaben, und sie beauftragt dafür keine externen Firmen [3]. Sie erhebt keine Steuern oder Gebühren für private Finanztransaktionen, insbesondere nicht für Auszahlungen von Kryptowährungen [3]. Von sich aus nimmt sie nur in Ausnahmefällen Kontakt zu Verbrauchern auf, und sie schreibt nur von Adressen mit "@bafin.de", abgesehen vom Newsletter [3].

Falsche Verbraucherschützer

Die Verbraucherzentrale NRW berichtete im Juli 2023 von Betrügern, die sich als ihre Mitarbeiter ausgaben. Sie sprachen Menschen an, die Geld mit Krypto-Anlagen verloren hatten, boten die Rückholung gegen eine vorab zu zahlende Gebühr an und schickten in einem Fall das Foto eines Ausweises, der vermutlich gestohlen oder gefälscht war [6]. Manchmal erschien dabei sogar eine echte Rufnummer der Verbraucherzentrale auf dem Display, weil die Täter die angezeigte Nummer fälschten [6]. Die Verbraucherzentralen melden sich nach eigener Aussage nie von sich aus telefonisch oder auf anderem Weg [6].

Woran du einen Recovery Scam erkennst

Jedes einzelne Merkmal kann auch bei einem echten Angebot vorkommen. Treffen mehrere zusammen, solltest du sehr misstrauisch sein.

Eine Lupe liegt auf einem Holzschreibtisch neben einem zugeklappten Laptop und einer Tasse Kaffee
Bild: KI-generiert
  • Jemand meldet sich von sich aus, nachdem du Geld verloren hast, per Anruf, E-Mail, Messenger oder in sozialen Netzwerken [2, 7].
  • Die Absender kennen Einzelheiten deines Falls, etwa Beträge und Daten deiner Einzahlungen [4].
  • Es wird eine Erfolgsgarantie gegeben oder das Angebot wirkt zu gut, um wahr zu sein [1].
  • Vor der Auszahlung sollst du eine Gebühr, Steuern, ein Honorar oder Transferkosten zahlen [1, 4, 8].
  • Du sollst ein Fernwartungsprogramm installieren [1, 5].
  • Du sollst dich mit persönlichen Daten oder Bankdaten "verifizieren" [8].
  • Der Anbieter beruft sich auf eine Zusammenarbeit mit BaFin, Polizei oder einer anderen Behörde [2, 8].
  • Die Firma bleibt im Internet vage, ist kaum auffindbar oder bewirbt die Rückholung von Kryptowerten [7].

Das FBI weist darauf hin, dass private Firmen keine Beschlagnahme von Kryptowerten anordnen können. Börsen frieren Konten nur nach ihren eigenen Verfahren oder auf behördliche oder gerichtliche Anordnung ein [7]. Wer behauptet, er könne dein Geld mit eigener Technik zurückholen, verspricht also etwas, das er nicht leisten kann.

Was du tun solltest

Die Empfehlungen von Polizei, BaFin und Verbraucherzentrale ähneln sich stark. Lass dich nicht auf das Gespräch ein und gib keine persönlichen Daten heraus [6]. Leiste keine Vorauszahlungen und gib Fremden keinen Fernzugriff auf deinen Computer [1]. Zahle kein Geld an Kriminelle, sonst ermutigst du sie zu weiteren Forderungen [10]. Erstatte Anzeige bei der Polizei oder der Staatsanwaltschaft [2, 3]. Die Anzeige ist kostenlos und auch schriftlich oder über die Onlinewache möglich, je nach Bundesland [11]. Wie das geht, steht unter Betrug anzeigen.

Gib bei der Anzeige alle Angaben zu den angeblichen Helfern an: wie sie Kontakt aufgenommen haben, unter welchem Namen sie auftraten und welche Zahlungen sie verlangt haben. Das FBI bittet ausdrücklich darum, solche Kontakte bei einer Betrugsmeldung mit anzugeben [7]. Informiere auch die Stelle, in deren Namen sich die Täter gemeldet haben; die Verbraucherzentrale NRW bittet darum, ihr solche Anrufe zu melden [6]. Behalte deine Konten in den folgenden Wochen im Blick und kläre unklare Abbuchungen sofort [6].

  1. Kontakt beenden, nicht zurückrufen, auf weitere Versuche nicht reagieren. Die Verbraucherzentrale NRW rät notfalls sogar, die Telefonnummer zu wechseln [6].
  2. Nachrichten, Absender, Rufnummern und Webadressen sichern, etwa als Screenshot.
  3. Anzeige erstatten und dabei auch den ersten Betrug nennen, falls er noch nicht angezeigt ist [2].
  4. Hast du schon gezahlt oder Daten herausgegeben, sofort die Bank informieren. Was dann zu tun ist, steht unter Karte und Konto sperren.
  5. Hattest du einen Fernzugriff zugelassen, den Rechner prüfen und bereinigen lassen, bevor du wieder Online-Banking nutzt.

Seriöse Hilfe erkennen

Es gibt echte Anwältinnen und Anwälte, die Betrugsopfer vertreten. Ob jemand in Deutschland als Rechtsanwalt zugelassen ist, kannst du im Bundesweiten Amtlichen Anwaltsverzeichnis der Bundesrechtsanwaltskammer nachsehen [9]. Die Berufsbezeichnung "Rechtsanwalt" ist geschützt, und die Polizei rät, sie auf diesem Weg zu prüfen [1]. Prüfe auch das Impressum einer Kanzlei-Website und ob die Firmendaten zum angeblichen Geschäft passen [1].

Eine Frau in den Vierzigern gibt in einem ruhigen Büro einem Anwalt in den Fünfzigern die Hand
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Ein seriöses Mandat beginnt in der Regel mit einem Gespräch über die Erfolgsaussichten, nicht mit einer Garantie. Kostenlose oder günstige Orientierung bekommst du bei der Verbraucherzentrale; was sie tun kann, beschreibt die Seite Was die Verbraucherzentrale bei Betrug tun kann. Welche Chancen es überhaupt gibt, verlorenes Geld zurückzubekommen, steht unter Geld vom Betrüger zurückfordern. Zu den Ausgangsmaschen informieren die Seiten Anlagebetrug mit falschen Trading-Plattformen und Krypto-Betrug.

Ein zweiter Betrug kurz nach dem ersten ist für viele Betroffene eine schwere Belastung. Hilfe und Gesprächsangebote findest du auf der Seite Psychische Folgen von Betrug.

  1. Behörde Fake-Kanzleien. Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  2. Behörde Betrug: BaFin warnt vor angeblichen Hilfsangeboten. Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Stand 04.05.2026. abgerufen am 29.10.2026
  3. Behörde Betrug mit dem Namen der BaFin. Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Behörde BaFin warnt Geschädigte von Handelsplattformen vor gefälschten Schreiben der BaFin und angeblichen Hilfsangeboten. Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Stand 05.05.2021. abgerufen am 29.10.2026
  5. Behörde Betrug: Angebliche Anrufe im Auftrag der BaFin zum Ausgleich erlittener Schäden. Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Stand 03.11.2021. abgerufen am 29.10.2026
  6. Organisation Falsche Verbraucherschützer versprechen Geld gegen Gebühr. Verbraucherzentrale NRW. Stand 13.07.2023. abgerufen am 29.10.2026
  7. Behörde Increase in Companies Falsely Claiming an Ability to Recover Funds Lost in Cryptocurrency Investment Scams (I-081123-PSA). Federal Bureau of Investigation, Internet Crime Complaint Center. Stand 11.08.2023. abgerufen am 29.10.2026
  8. Behörde Fictitious Law Firms Targeting Cryptocurrency Scam Victims Offering to Recover Funds (I-062424-PSA). Federal Bureau of Investigation, Internet Crime Complaint Center. Stand 24.06.2024. abgerufen am 29.10.2026
  9. Organisation Bundesweites Amtliches Anwaltsverzeichnis. Bundesrechtsanwaltskammer. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  10. Behörde Phishing: Checkliste für den Ernstfall. BSI und Polizeiliche Kriminalprävention. Stand 07.07.2025. abgerufen am 29.10.2026
  11. Behörde Anzeige. Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 30.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.