Betrug im InternetRatgeber

Identitätsdiebstahl: woran du ihn erkennst und was du tust

Beim Identitätsdiebstahl geben sich Kriminelle mit deinen Daten als du aus und bestellen, schließen Verträge oder eröffnen Konten auf deinen Namen. Erstatte Anzeige, informiere Bank und Zahlungsdienste, widersprich jeder unberechtigten Forderung schriftlich und hol dir eine kostenlose Datenauskunft bei der Schufa.

Eine Frau in den Dreißigern sitzt abends am Küchentisch und schaut ratlos auf einen geöffneten Briefumschlag
Bild: KI-generiert

Oft beginnt es mit einem Brief, den man zuerst für einen Irrtum hält: eine Mahnung für Kopfhörer, die nie bestellt wurden, oder ein Inkassoschreiben über einen Mobilfunkvertrag, von dem man nichts weiß. Dahinter steckt häufig ein Identitätsdiebstahl. Diese Seite erklärt, wie Täter an deine Daten kommen, woran du den Missbrauch erkennst und in welcher Reihenfolge du dich wehrst. Eine Rechtsberatung ersetzt sie nicht.

Was Identitätsdiebstahl ist

Beim Identitätsdiebstahl oder Identitätsbetrug geben sich Kriminelle mit gestohlenen Daten oder Gegenständen wie Ausweisen als eine andere Person aus und handeln in deren Namen in betrügerischer Absicht [1]. Mit Name, Geburtsdatum, Anschrift oder Finanzdaten melden sie sich bei Online-Diensten an, bestellen Waren oder schließen Verträge und Darlehen auf Rechnung der Opfer ab [1]. Mit gestohlenen Zugangsdaten können Fremde außerdem E-Mail-Konten, Profile in sozialen Netzwerken oder den Zugang zum Online-Banking übernehmen und in deinem Namen handeln [2].

Ein Stapel ungeöffneter Briefumschläge liegt im Flur unter dem Briefschlitz einer Holztür im Morgenlicht
Bild: KI-generiert

Die Verbraucherzentrale nennt typische Fälle: Abos für Streaming, Dating oder Premium-Mail, Mobilfunkverträge auf fremden Namen, Bestellungen bei Onlinehändlern, eingelöste Bonuspunkte und Kredite, die per Video-Ident-Verfahren beantragt wurden [4]. In einem geschilderten Fall verursachten Bezahl-Codes nach einem gehackten Facebook-Konto einen Schaden von 900 Euro [4]. Aus öffentlich geteilten Fotos und Videos lassen sich mit KI täuschend echte Deepfakes erstellen [4]. Wenige Angaben können reichen: In einem weiteren Fall hatte ein Verbraucher nur Name und Adresse preisgegeben und bekam trotzdem Inkassoforderungen für Bestellungen [4]. Die Polizei hält Datendiebstahl für mitverantwortlich an einem großen Teil des jährlichen Schadens durch Cyberkriminalität [1].

Die Folgen gehen über Geld hinaus. Laut Polizei können sie bis zu strafrechtlichen Konsequenzen für die Betroffenen reichen [1]. Die Verbraucherzentrale beschreibt einen Fall, in dem ein Betrüger das Bankkonto eines Opfers für Geldwäsche nutzte und dem Opfer deshalb eine Anklage drohte [4].

Wie Täter an deine Daten kommen

Die Wege sind meist unspektakulär. Polizei und BSI nennen vor allem diese:

  • Phishing per E-Mail oder SMS, gefälschte Bankseiten und Fake-Shops, auf denen du deine Daten selbst eingibst [1, 2].
  • Schadprogramme wie Trojaner, die Zugangsdaten vom Gerät abgreifen [2].
  • Datenlecks bei Unternehmen und Diensteanbietern, auf die du als Einzelperson kaum Einfluss hast [1, 2].
  • Zu freizügige Profile in sozialen Netzwerken, auf Karriere- oder Dating-Portalen [1]. Namen, Telefonnummern oder Geburtsdaten sind im Netz oft leicht zu finden [2].
  • Gefälschte Stellenanzeigen, die Ausweisfotos und eine Video-Identifizierung verlangen. Mit diesen Angaben eröffnen Täter Konten auf fremden Namen, etwa für Fake-Shops oder Geldwäsche [4, 7].

Beim Doxing gehen Täter noch einen Schritt weiter: Sie sammeln persönliche Daten, bündeln sie und machen sie öffentlich zugänglich [2]. Wie Stellenangebote zur Falle werden, beschreibt die Seite Fake-Jobangebote und Finanzagenten.

Woran du Identitätsdiebstahl erkennst

Viele Betroffene erfahren erst durch unerwartete Rechnungen oder Mahnungen davon [1]. Die Verbraucherzentrale zählt diese Anzeichen auf [4]:

Ein Mann in den Fünfzigern nimmt im Treppenhaus mehrere Briefumschläge aus seinem Briefkasten
Bild: KI-generiert
  • Rechnungen für Waren oder Dienste, die du nicht bestellt hast
  • Inkassoschreiben über unbekannte Forderungen
  • Willkommensschreiben von Firmen, bei denen du nie ein Konto eröffnet hast
  • Zahlungsaufforderungen, die du nicht zuordnen kannst
  • unbekannte Abbuchungen auf deinem Konto

Bei Zahlungsdiensten unterscheidet die Verbraucherzentrale zwei Fälle: Entweder wird ein bestehendes Konto gehackt, oder Kriminelle legen ein neues Konto unter deinem Namen an [5]. Wird ein neues Konto bei einem Zahlungsdienst unter deinem Namen angelegt, hinterlegen die Betrüger manchmal eine eigene E-Mail-Adresse. Mahnungen erreichen dich dann nicht, und du erfährst erst durch das Inkassoschreiben von der Forderung [5]. Ein einzelner Brief an deine Adresse kann also der erste und einzige Hinweis sein. Leg ihn deshalb nicht ungeprüft zur Seite.

Was du tun solltest: Schritt für Schritt

Die Verbraucherzentrale rät, zuerst Ruhe zu bewahren und nicht sofort zu bezahlen, sondern die Forderung zu prüfen, auch wenn darin Konsequenzen angedroht werden [5]. Danach gehst du die Schritte in dieser Reihenfolge durch:

Eine Frau in den Vierzigern spricht am Tresen einer Polizeiwache mit einem uniformierten Beamten
Bild: KI-generiert
  1. Erstatte Anzeige bei der Polizei. Das geht bei der Polizei und online über die Onlinewachen der Länder [1, 5]. Die Bestätigung der Anzeige legst du dem Widerspruch an Bezahldienst und Inkassounternehmen bei [5].
  2. Informiere sofort deine Bank und deine Zahlungsdienste [1]. Ist schon Geld abgeflossen, lass Konten oder Karten sperren [4]. Das geht rund um die Uhr über den Sperr-Notruf 116 116 [8].
  3. Sind Ausweise verloren gegangen oder gestohlen worden, lass sie und die Online-Ausweisfunktion sperren [1]. Auch den elektronischen Personalausweis kannst du über 116 116 sperren lassen [8].
  4. Ändere die Passwörter der betroffenen Konten, vor allem das deines E-Mail-Postfachs [4], und schalte zusätzliche Sicherheitsfunktionen ein [1].
  5. Widersprich jeder Mahnung unverzüglich und schriftlich. Die Verbraucherzentrale stellt dafür einen Musterbrief bereit. Ignorierst du die Mahnung, kann ein Inkasso- oder Mahnverfahren folgen [5].
  6. Melde den Datenmissbrauch schriftlich dem Bezahldienst und dem Inkassounternehmen und leg die Bestätigung der Polizeianzeige bei [5].
  7. Hol dir eine kostenlose Datenauskunft bei der Schufa, um weitere Fälle zu erkennen, und melde der Auskunftei den Identitätsmissbrauch [5].

Inkassoschreiben richtig beantworten

Auch einem Inkassoschreiben widersprichst du unverzüglich und schriftlich, mit einer Kopie der Polizeianzeige [5]. Das Inkassounternehmen muss dann beweisen, dass der Vertrag tatsächlich zustande gekommen ist [5]. Nach dem Widerspruch kannst du weitere E-Mails, Briefe und Drohungen ignorieren; ein Widerspruch genügt [5]. Ob du überhaupt zahlen musst, lässt sich mit dem kostenlosen Inkasso-Check der Verbraucherzentrale prüfen, zur Höhe der Inkassokosten berät dich deine Verbraucherzentrale vor Ort [5]. Was die Beratungsstellen sonst leisten, steht unter Was die Verbraucherzentrale bei Betrug tun kann.

Auskunfteien und Datenkopie

Nach Artikel 15 der Datenschutz-Grundverordnung kannst du von jedem Unternehmen, das Daten über dich verarbeitet, eine Bestätigung darüber und Auskunft über diese Daten verlangen [6]. Der Verantwortliche muss dir eine Kopie der Daten zur Verfügung stellen; nur für weitere Kopien darf er ein angemessenes Entgelt verlangen [6]. Das gilt auch für Auskunfteien wie die Schufa. Prüf die Einträge und lass falsche Einträge berichtigen [4]. Die Polizei rät zusätzlich, bei Bedarf einen Sperrvermerk setzen zu lassen [1].

Gehackte Konten zurückholen

Wurde ein E-Mail-Konto übernommen, verweist das BSI auf seinen Notfallplan für gehackte E-Mail-Konten, für soziale Netzwerke gibt es eine eigene Anleitung [3]. Ob deine Daten schon in einem bekannten Datenleck stecken, kannst du mit den Leakcheckern der Universität Bonn oder des Hasso-Plattner-Instituts prüfen [2]. Wie das geht, erklärt die Seite Prüfen, ob deine Daten in einem Datenleck stecken. Das Service-Center des BSI erreichst du unter 0800 274 1000 [2].

So machst du es Tätern schwerer

Ganz verhindern lässt sich Identitätsdiebstahl nicht, weil auch Datenlecks bei Firmen dazugehören. Das BSI nennt den sparsamen Umgang mit den eigenen Daten im Internet die beste Vorbeugung [2]. Für deine Konten rät es zu sicheren Passwörtern, einem eigenen Passwort für jeden Dienst, einem Passwort-Manager und, wo möglich, zur Zwei-Faktor-Authentisierung [3]. Beim Anlegen neuer Konten solltest du nur die nötigsten Angaben machen, auf verschiedenen Plattformen unterschiedliche Nutzernamen wählen und für unterschiedliche Zwecke verschiedene E-Mail-Adressen nutzen [3]. Profile in sozialen Netzwerken stellst du am besten auf privat und prüfst Freundschaftsanfragen genau [3].

Auch die Geräte selbst gehören dazu. Das BSI rät, die Displaysperre zu nutzen und Passworteingaben nicht beobachten zu lassen, E-Mails, Anhänge und Links vor dem Klicken zu prüfen, Software und Betriebssysteme regelmäßig zu aktualisieren und auf allen Geräten Virenschutz und Firewall einzusetzen [3]. Phishing zielt genau auf die Passwörter, mit denen Täter später deine Konten übernehmen [3]. Woran du solche Nachrichten erkennst, steht unter Phishing-Mails erkennen.

Die Polizei empfiehlt, Kontoauszüge und Online-Konten regelmäßig auf ungewöhnliche Buchungen zu prüfen und über öffentliche WLAN-Hotspots keine sensiblen Daten zu übertragen [1]. Weil Fotos und Videos für Deepfakes missbraucht werden können, rät die Verbraucherzentrale, auch damit sparsam umzugehen [4]. Bei Bewerbungen gilt: Eine Video-Identifizierung für ein Jobangebot lehnst du ab, und eine Kontoeröffnung gehört nicht zu einem Bewerbungsverfahren [7]. Ausführliche Tipps zu Passwörtern stehen unter Sichere Passwörter und Anmeldung in zwei Schritten.

  1. Behörde Identitätsdiebstahl. Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  2. Behörde Identitätsdiebstahl. Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  3. Behörde Schutzmaßnahmen gegen digitalen Identitätsdiebstahl. Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Organisation Welche Folgen Identitätsdiebstahl im Internet haben kann. Verbraucherzentrale Bundesverband. Stand 20.03.2026. abgerufen am 29.10.2026
  5. Organisation Was tun, wenn Kriminelle in Ihrem Namen einkaufen?. Verbraucherzentrale Bundesverband. Stand 04.09.2025. abgerufen am 29.10.2026
  6. Gesetz Art. 15 DSGVO: Auskunftsrecht der betroffenen Person. Verordnung (EU) 2016/679, Textausgabe dsgvo-gesetz.de. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  7. Behörde Datendiebstahl durch Phishing und Co.: So schützen Sie sich. Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  8. Organisation Sperr-Notruf 116 116. Sperr-Notruf 116 116 e.V.. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 30.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.