Betrug im InternetRatgeber

Romance Scam: wie Liebesbetrug im Netz abläuft und wie du ihn erkennst

Beim Romance Scam bauen Betrüger über Dating-Plattformen oder soziale Netzwerke eine Beziehung auf, oft über Wochen oder Monate, und bitten dann wegen einer angeblichen Notlage um Geld. Ein Treffen kommt nie zustande. Schick niemandem Geld, den du nie persönlich getroffen hast, und erstatte Anzeige, wenn du schon gezahlt hast.

Eine Frau in den Fünfzigern sitzt abends allein am Küchentisch mit einem Handy, daneben eine Tasse Tee
Bild: KI-generiert

Beim Romance Scam, auf Deutsch Liebesbetrug oder Love Scamming, nehmen Täter über Dating-Plattformen oder soziale Netzwerke Kontakt auf, bauen über Wochen oder Monate eine emotionale Beziehung auf und bitten dann um Geld [1]. Die meisten Betroffenen haben die Person nie im echten Leben getroffen [1]. Den Tätern geht es laut Verbraucherzentrale allein um das Geld ihrer Opfer [3]. Dieser Ratgeber zeigt den typischen Ablauf, die Warnzeichen und was du tun kannst, wenn schon Geld geflossen ist.

So läuft die Masche ab

Der Erstkontakt ist oft unscheinbar, etwa eine kurze Nachricht mit einer Einladung zum Chat [2]. Danach schreiben die Täter täglich, telefonieren und erzählen Geschichten, zum Beispiel über einen verstorbenen Partner oder über Kinder. Geld verlangen sie in dieser Phase noch nicht. Zuerst soll eine emotionale Bindung entstehen [2].

Zwei Herzen aus rotem Karton auf einem Holztisch neben einem zugeklappten Laptop, eines davon zerrissen
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Die Profile wirken attraktiv und erfolgreich [3]. Männliche Profile geben sich nach Angaben der Polizei häufig als Ingenieure, Architekten oder US-Soldaten aus, weibliche als Krankenschwestern, Lehrerinnen oder Geschäftsfrauen [2]. Die Fotos sind meist gestohlen oder eigens für den Betrug angefertigt [2].

Sobald ein Treffen geplant wird, tauchen Probleme auf. Die Verbraucherzentrale nennt typische Geschichten: Das Flugticket nach Deutschland kann nicht bezahlt werden, auf einer Geschäftsreise ist das Geld ausgegangen, es gab einen Autounfall, Kreditkarten oder Pässe wurden gestohlen, oder es fallen hohe Krankenhauskosten an [3]. Angebliche Ärzte, Polizisten oder Angehörige melden sich, um die Geschichte zu bestätigen und Druck zu machen. In manchen Fällen drohen die Täter sogar mit Suizid, falls kein Geld kommt [3].

Nach einer ersten Zahlung folgen meist noch größere Probleme und weitere Forderungen. Wer auf ein Treffen drängt, wird hingehalten. Hört das Opfer auf zu zahlen, bricht der Kontakt in der Regel ab [3].

Wenn es plötzlich um eine Geldanlage geht

Nicht jede Forderung kommt als Notfall daher. Schlägt die Bekanntschaft vor, gemeinsam Geld anzulegen, gelten die Warnzeichen für Anlagebetrug. Die Polizei nennt dazu unter anderem einen freundlichen Kontakt per Video, Telefon oder Chat, der Vertrauen aufbaut, Druck, eine "einmalige Chance" schnell zu nutzen, und eine kleine erste Einzahlung, auf die ständige Nachforderungen folgen, während Auszahlungen ausbleiben [6]. Mehr dazu steht unter Anlagebetrug mit falschen Trading-Plattformen und Krypto-Betrug.

Wie groß der Schaden sein kann

Eine Auswertung des Landeskriminalamts Sachsen gibt einen Eindruck von der Größenordnung. Für das Jahr 2021 fand das LKA im polizeilichen Auskunftssystem 412 Fälle von Love- und Romance-Scamming (darunter auch Fälle aus 2020, die erst 2021 angezeigt wurden), 275 davon wurden vollendet und verursachten einen Gesamtschaden von rund 4,2 Millionen Euro [4]. Die Schadenssumme stieg dort seit 2017 jedes Jahr, von 1,6 Millionen Euro 2017 auf 4 Millionen Euro 2020 [4]. Das sind Zahlen aus einem einzigen Bundesland.

Unter den Geschädigten waren 57,4 Prozent Frauen, fast 68 Prozent waren zwischen 40 und 69 Jahre alt [4]. Das LKA stellte fest, dass sowohl jüngere als auch ältere Menschen betroffen waren [4]. Viele Opfer schämen sich, den Betrug anzuzeigen, und das wissen auch die Täter [4]. Angezeigte Fälle zeigen deshalb nur einen Teil des Geschehens.

Warnzeichen im Chat und im Profil

Ein einzelnes Merkmal beweist noch keinen Betrug. Treffen mehrere zusammen, solltest du vorsichtig werden. Polizei und Verbraucherzentrale nennen diese Warnzeichen:

  • Die neue Bekanntschaft überschüttet dich mit Komplimenten oder plant schnell eine gemeinsame Zukunft, obwohl ihr euch nie getroffen habt [1].
  • Schon früh fallen Worte wie "Ehemann" oder "Ehefrau", es geht um Heiratspläne [2].
  • Die Person fragt ausführlich nach deinen Hobbys, früheren Partnern, Kindern und Freunden [2].
  • Verabredete Treffen platzen immer wieder kurz vorher, wegen eines Unfalls, einer Krankheit oder einer Straftat [1].
  • Das Profil zeigt ganze Bildserien mit ähnlichen Posen und Outfits, bei Männern laut Polizei häufig Fotos in Uniform [3].
  • Die Person lebt angeblich im Ausland, oft außerhalb Europas, und schreibt gutes Englisch [3]. Es gibt aber auch Täter, die perfekt Deutsch sprechen [2].
  • Du sollst Geld schicken, Gutscheine kaufen oder in Kryptowährung zahlen [1].
  • Du sollst ein gemeinsames Konto eröffnen, Briefe oder Pakete an Dritte weiterleiten, Schecks einlösen oder eine Einladung für ein Visum schreiben [3].
  • Es soll schnell gehen, etwa für eine Operation oder ein Flugticket [1].

Profil und Geschichte prüfen

Die Polizei empfiehlt die Regel Stoppen, Hinterfragen, Schützen [1]. Nimm dir Zeit, wenn jemand sehr schnell sehr starke Gefühle zeigt oder Druck macht. Prüfe, ob die Geschichte plausibel ist, ob sich die Person schon im Video gezeigt oder ein Treffen angeboten hat und ob du ihre Angaben unabhängig überprüfen kannst [1]. Sprich mit Freunden oder Familie darüber [1]. Das LKA Sachsen rät, sich bei Zweifeln einer befreundeten, aber neutralen Person anzuvertrauen, um eine unvoreingenommene Meinung zu hören [4].

Ein Mann in den Sechzigern sitzt nachdenklich am Schreibtisch, vor ihm ein zugeklappter Laptop, eine Lupe und eine Brille
Bild: KI-generiert

Einige Prüfungen kannst du selbst machen:

  1. Gib Namen, Telefonnummer oder E-Mail-Adresse zusammen mit dem Wort "Scammer" in eine Suchmaschine ein [2, 3].
  2. Lade die Profilfotos in eine umgekehrte Bildersuche. Taucht dieselbe Person unter verschiedenen Namen auf verschiedenen Seiten auf, wird das Foto wahrscheinlich missbraucht und das Profil könnte gefälscht sein [4].
  3. Bestehe auf einem Videochat. Er zeigt allerdings nur, dass es die Person gibt, und nicht, dass sie es ehrlich meint [3].
  4. Nutze für Dating und Schriftverkehr eine eigene E-Mail-Adresse, damit du im Ernstfall nicht dein Hauptkonto aufgeben musst [3].
  5. Such auf Plattformen mit überprüften Nutzerkonten und nimm in sozialen Netzwerken nur Anfragen von Menschen an, die du kennst [3].

Die Verbraucherzentrale rät außerdem, dich zu fragen, warum ein auffällig attraktiver Fremder ausgerechnet dich auswählt und schnell die große Liebe verspricht [3]. Über allem steht die Grundregel der Polizei: Schick kein Geld an jemanden, den du nicht persönlich getroffen hast [1].

Schecks, Pakete und Ausweiskopien

Manche Forderungen betreffen nicht direkt Geld. Opfer sollen zum Beispiel Schecks einreichen und den Großteil des Betrags weiterüberweisen. Die Schecks sind gefälscht und werden später von der Bank zurückbelastet, und das Opfer trägt den Schaden selbst [2]. Wer einen gefälschten Scheck aus Gefälligkeit einlöst, riskiert nach Angaben der Polizei außerdem unter Umständen eine Strafanzeige der Bank [2].

Ebenso riskant ist es, Päckchen weiterzuleiten oder aufzubewahren. Die Polizei bezeichnet das als illegal, es kann Opfer in ernste Schwierigkeiten bringen [2]. Laufen fremde Gelder über dein Konto, kann ein Verdacht auf Geldwäsche entstehen [3]. Wie Täter Menschen auf diese Weise als Finanzagenten einspannen, beschreibt der Ratgeber Fake-Jobangebote und Finanzagenten.

Kopien von Ausweis oder Reisepass verlangen die Täter etwa für ein angebliches gemeinsames Konto oder für eine Einladung zum Visum. Mit diesen Daten lassen sich Ausweise fälschen [2, 3]. Dazu kommen angebliche Gebühren an die Regierung des Heimatlandes, die vor dem Abflug bar zu zahlen seien. Bei Abkürzungen wie "PTA" oder "BTA" solltest du aufmerksam werden, denn solche Gebühren gibt es offiziell nicht [2, 3]. Hast du schon eine Ausweiskopie verschickt, hilft der Ratgeber Identitätsdiebstahl: erkennen und richtig reagieren.

Einladung nach Deutschland und Heiratspläne

Liebesbetrug beginnt nicht immer auf einer Dating-Plattform, auch über soziale Netzwerke entstehen solche Kontakte [3]. Bald geht es um Geld, eine Einladung nach Deutschland oder Heiratspläne [2, 3]. Entscheidend sind dieselben Warnzeichen wie im Netz: Geldforderungen, Druck und Geschichten, die sich nicht überprüfen lassen.

Um eine Einladung für einen Visumsantrag bitten nach Angaben der Verbraucherzentrale besonders häufig Täterinnen, oft zusammen mit der Bitte um Ausweiskopien [3]. Eine Ehe, die nur geschlossen wird, um dem anderen Einreise und Aufenthalt zu ermöglichen, trägt in Deutschland keinen Familiennachzug: § 27 Abs. 1a Aufenthaltsgesetz schließt den Nachzug aus, wenn das feststeht [5]. Ob eine echte Beziehung oder eine Täuschung vorliegt, lässt sich von außen oft schwer sagen. Für den Fall, dass sich jemand mit einem Heiratsversprechen Geld erschleicht, gibt es den Ratgeber Heiratsschwindel. Diese Seite ersetzt keine Rechtsberatung.

Was du tun kannst, wenn du betroffen bist

Hast du schon gezahlt, zählt jede Stunde. Eine Überweisung, die die Bank schon ausgeführt hat, lässt sich laut Verbraucherzentrale meist nicht mehr zurückholen, allenfalls hilft ein schneller Anruf bei der Bank [3].

Zwei Frauen in den Fünfzigern sitzen auf einem Sofa, die eine legt der anderen tröstend die Hand auf die Schulter
Bild: KI-generiert
  1. Brich jeden Kontakt ab und reagiere nicht mehr auf Mails oder Anrufe. Eine neue E-Mail-Adresse und Telefonnummer können helfen [2, 3].
  2. Sichere alle Mails und Chatverläufe, am besten auf einem externen Speicher, und heb die Überweisungsbelege auf [3].
  3. Ruf sofort deine Bank an und lass prüfen, ob sich Zahlungen noch rückgängig machen lassen [2, 3]. Karten und Online-Banking sperrst du rund um die Uhr über den Sperr-Notruf 116 116 [7].
  4. Melde das Profil der Dating-Plattform [1].
  5. Erstatte Anzeige bei der Polizei, in vielen Bundesländern auch online über die Onlinewache [3]. Die Anzeige hilft dir auch, wenn eine Bank gegen dich vorgehen will oder ein Geldwäscheverdacht im Raum steht [2, 3].
  6. Warne Freunde und Kontakte, denn die Täter schicken manchmal Schadsoftware mit, die Adressbücher ausliest [3].

Wie die Anzeige abläuft, erklärt Betrug anzeigen: so erstattest du Anzeige. Melden sich später angebliche Kanzleien oder Behörden, die dein Geld gegen eine Gebühr zurückholen wollen, steckt dahinter häufig der nächste Betrug. Die Masche beschreibt Recovery Scam.

Für Betrug über Messenger betont die Polizei, dass Opfer keine Mitschuld tragen und die Täter verantwortlich sind; Schuldzuweisungen können die Scham der Opfer verstärken, sodass sich Betroffene nicht trauen, über den Betrug zu sprechen und andere zu warnen [10]. Wenn dich der Verlust einer Beziehung, die es so nie gab, stark belastet, findest du Gesprächsangebote unter Psychische Folgen von Betrug.

  1. Behörde Romance Scamming (Liebesbetrug). Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  2. Behörde Scamming. Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Love Scamming: So schützen Sie sich vor Liebesbetrug. Verbraucherzentralen, verbraucherzentrale.de. Stand 10.04.2025. abgerufen am 29.10.2026
  4. Behörde Liebe oder Abzocke? Das LKA informiert zum Thema Love-Scamming (Medieninformation). Landeskriminalamt Sachsen. Stand 10.05.2022. abgerufen am 29.10.2026
  5. Gesetz § 27 Aufenthaltsgesetz: Grundsatz des Familiennachzugs. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Behörde Anlagebetrug (Investment Scam). Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  7. Organisation Sperr-Notruf 116 116. Sperr-Notruf 116 116 e.V.. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  8. Behörde Schockanrufe. Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  9. Behörde Betrug durch falsche Polizisten. Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  10. Behörde Messenger-Betrug. Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 30.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.