Betrug im InternetRatgeber
Anlagebetrug mit falschen Trading-Plattformen erkennen und reagieren
Falsche Trading-Plattformen zeigen erfundene Gewinne an, kassieren immer neue Einzahlungen und zahlen nichts aus. Prüf jeden Anbieter vor der ersten Zahlung in der Unternehmensdatenbank der BaFin, gewähre niemandem Fernzugriff und zahl keine Gebühren für eine angebliche Auszahlung. Hast du schon Geld überwiesen, informiere sofort deine Bank und erstatte Anzeige bei der Polizei.

Anlagebetrug im Internet beginnt fast immer mit einer Anzeige oder einer Nachricht, die schnelle Gewinne mit Aktien, Devisen oder Kryptowährungen verspricht. Dahinter stehen Plattformen, die wie echte Broker aussehen, aber nur das Geld ihrer Kunden einsammeln. Die Polizei spricht von Online-Anlagebetrug, auch Cybertrading-Betrug genannt [2]. Diese Seite erklärt, wie die Täter vorgehen, woran du eine falsche Plattform erkennst und was du tun kannst, wenn du schon eingezahlt hast. Eine Anlageberatung ist sie nicht.
So läuft der Betrug mit Trading-Plattformen ab
Die Täter werben über soziale Netzwerke, Suchmaschinen und Online-Anzeigen, teils auch in Zeitungen, Magazinen oder im Fernsehen [2]. Oft tauchen dabei bekannte Gesichter auf. Die Verbraucherzentrale beschreibt gefälschte Videos mit Prominenten, etwa aus Talkshows, als Deepfakes, von denen die Abgebildeten nichts wissen [1]. Die BaFin warnt, dass Fotos von Prominenten ohne deren Zustimmung in Werbeanzeigen verwendet werden [3].

Nach der Anmeldung meldet sich ein angeblicher persönlicher Betreuer. Die erste Einzahlung liegt laut Polizei meist bei etwa 250 Euro, danach zeigt das Kundenkonto erste scheinbare Gewinne [2]. Angeboten werden laut BaFin Differenzkontrakte (CFDs) auf Rohstoffe, Aktien, Indizes, Währungen oder Kryptowährungen; bezahlt wird über eine Krypto-Wallet oder das Privatkonto einer Mittelsperson [3]. Die angezeigten Gewinne sind erfunden. Die BaFin schreibt, dass Betrugssoftware im Kundenkonto Gewinne vortäuscht und tatsächlich kein Geld investiert wird [3]. Wer die Zahlen sieht, soll mehr einzahlen, oft unter Zeitdruck und mit dem Hinweis auf eine einmalige Chance [2]. Die Verbraucherzentrale berichtet, dass Betroffene sogar zu Krediten gedrängt werden [1].
Wenn du dein Geld zurückhaben willst
Spätestens beim Wunsch nach einer Auszahlung kippt die Geschichte. Die Täter verlangen Steuern, Gebühren oder angebliche Freischaltungen, ausgezahlt wird trotzdem nichts [2]. Die BaFin nennt außerdem Liquiditätsnachweise und die sogenannte Spiegeltransaktion: Du sollst vorab einen Betrag in Höhe der Auszahlung überweisen, angeblich um Handelskonto und Girokonto zu verknüpfen, und die versprochene Rückerstattung kommt nie [3]. Am Ende ist der Ansprechpartner nicht mehr erreichbar und die Plattform abgeschaltet [2]. Laut Polizei hören Opfer auch erfundene Geschichten über gefallene Kurse. Das kann dazu führen, dass sie den Verlust hinnehmen und keine Anzeige erstatten [2].
Varianten über Messenger und Dating-Apps
Eine zweite Spur führt über Chatgruppen. Die BaFin beschreibt Anzeigen mit kostenlosen Aktientipps, die in Gruppen auf WhatsApp oder Telegram führen. Dort wird über Wochen Vertrauen aufgebaut, und ein Teil der Gruppenmitglieder gehört selbst zu den Tätern [5]. Dann stellen die Gruppenleiter eine Handelsplattform oder App vor, Testauszahlungen sollen Seriosität vortäuschen [5]. Die Polizei kennt außerdem den "Tinder-Trading-Scam": Lockvögel knüpfen über Dating-Apps oder soziale Netzwerke Kontakt und empfehlen erst nach mehreren Wochen ein angeblich lukratives Anlageportal [2]. Wie Liebesbetrug sonst abläuft, steht unter Romance Scam.
Fernzugriff und Kredite auf deinen Namen
Viele Betreuer bieten an, sich per Fernwartungssoftware auf Laptop, Tablet oder Smartphone zu schalten, um beim Handel zu "helfen". Die BaFin warnt, dass sich Täter auf diesem Weg auch Zugriff auf das Onlinebanking verschaffen und dort im Namen der Opfer Konten oder Wallets eröffnen [3]. Die Polizei nennt Programme wie AnyDesk oder TeamViewer als Beispiele für Fernzugriffssoftware. Über solche Software greifen Täter Daten zu Konten und Kreditkarten ab [2].

Die Verbraucherzentrale beschreibt eine neuere Variante: Auf dem Girokonto geht ein Betrag ein, den du auf ein angebliches Tradingkonto weiterleiten sollst. Tatsächlich ist das ein Kredit, den die Täter unter deinem Namen über ein manipuliertes Video-Ident-Verfahren abgeschlossen haben [1]. Den Kredit musst du gegenüber der Bank klären, das weitergeleitete Geld ist bei den Tätern. Erklärt dir jemand eine unerwartete Gutschrift und bittet um Weiterleitung, sprich zuerst mit deiner Bank.
Warnzeichen einer falschen Plattform
Keines dieser Zeichen beweist für sich allein einen Betrug. Treffen mehrere zusammen, solltest du kein Geld einzahlen. Die Liste fasst die Hinweise von BaFin, Polizei und Verbraucherzentrale zusammen.
- Du bist über Online-Werbung oder soziale Medien auf das Angebot gestoßen, auch wenn Prominente es angeblich empfehlen [4].
- Ein Unbekannter ruft dich ungefragt an. Unaufgeforderte Anrufe zu Anlageangeboten sind laut BaFin meist verboten [4].
- Es gibt hohe Renditen bei fast keinem Risiko. Hohe Rendite geht typischerweise mit hohem Risiko einher [4].
- Du sollst dich schnell entscheiden oder in eine private Messenger-Gruppe wechseln [4].
- Die Einzahlung soll auf ein Konto gehen, das nicht erkennbar zum Anbieter gehört, oder ins außereuropäische Ausland [3, 4]. Seriöse Unternehmen nennen in aller Regel ihr Firmenkonto auf der Website [5].
- Das Impressum fehlt, ist fehlerhaft oder nennt nur eine Adresse im Ausland [1, 3].
- Die Website ist erst wenige Wochen oder Monate alt und die Betreiberangaben sind anonymisiert, was eine WHOIS-Abfrage zeigt [3].
- Einzahlungen klappen sofort, Auszahlungen werden blockiert oder an Gebühren geknüpft [2].
Die Verbraucherzentrale nennt dazu noch Anrufe von ausländischen Nummern, die sich nicht zurückrufen lassen, und Berater, die angebliche Anlagegeheimnisse versprechen und übertrieben selbstlos auftreten [1]. Auch eine professionelle Website, gute Bewertungen und bekannte Werbegesichter belegen laut Polizei allein keine Seriosität [2]. Gewinne auf Demo-Konten oder Testzugängen sind ebenfalls kein Beleg [5].
Anbieter prüfen, bevor du Geld einzahlst
Wer in Deutschland Finanzgeschäfte betreibt, braucht dafür eine Erlaubnis. In der Unternehmensdatenbank der BaFin siehst du, welche Unternehmen in Deutschland eine Erlaubnis haben oder grenzüberschreitend tätig sind, mit Name, Anschrift und den erlaubten Tätigkeiten [7]. Die Verbraucherzentrale rät, nicht gelistete Unternehmen zu meiden [1]. Die Polizei weist darauf hin, dass eine Lizenz, die der Anbieter nur behauptet, kein Nachweis ist [2].
Ein Eintrag allein reicht trotzdem nicht. Betrüger missbrauchen laut BaFin Namen und Daten unbeteiligter Firmen [3]. Such deshalb die Kontaktdaten des echten Unternehmens selbst heraus und frag dort nach, ob das Angebot wirklich von ihm stammt [3, 5]. Achte bei der Suche auch auf die exakte Schreibweise des Namens [4].
Unabhängigen Rat bekommst du vor einer Anlage etwa bei den Verbraucherzentralen [3]. Die BaFin rät, nur Produkte zu kaufen, deren Geschäftsmodell du verstehst [4]. Kopien deines Personalausweises gibst du nur mit größter Vorsicht weiter [3], und Messenger-Dienste sind laut BaFin kein sicherer Weg für Kontodaten und persönliche Angaben [4]. Forderungen im Ausland geltend zu machen kann sehr aufwendig sein [4]. Die Verbraucherzentrale rät außerdem, keine Kredite aufzunehmen, um Geldanlagen zu finanzieren [1].
Die BaFin veröffentlicht laufend Warnungen vor Websites und Plattformen ohne Erlaubnis, zum Beispiel am 26.10.2026 vor einer ganzen Plattformreihe [8]. Solche Warnlisten können nie vollständig sein [5]. Fehlt eine Warnung, heißt das also nicht, dass ein Angebot seriös ist. Fragen beantwortet das kostenlose Verbrauchertelefon der BaFin unter 0800 2 100 500, montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr; aus dem Ausland wählst du +49 228 299 70 299 [6]. Dort kannst du auch nach einem bestimmten Anbieter fragen [1].
Was du tun kannst, wenn du schon eingezahlt hast
Zahl kein weiteres Geld, auch nicht für angebliche Gebühren oder Steuern, und beende den Kontakt zu den Brokern [2]. Informiere sofort deine Bank. Sie kann versuchen, Überweisungen zurückzurufen, oder Konten sperren [2]. Lief eine Fernwartung, sperrst du dein Online-Banking zusätzlich; der Sperr-Notruf 116 116 ist rund um die Uhr erreichbar, aus dem Ausland unter +49 116 116 [9]. Mehr dazu unter Karte und Konto sperren.

Sichere Screenshots, E-Mails, Chatverläufe und Transaktionsbelege [2], dazu Namen, Telefonnummern und IBAN der Täter [1]. Dann erstattest du Anzeige, bei jeder Polizeidienststelle oder über die Online-Wache deines Bundeslandes [2]. Die Online-Wache ist nicht für Notfälle gedacht. Ist eine Gefahr akut, wählst du 110 [2]. Wie die Anzeige abläuft, erklärt Betrug anzeigen. Die Verbraucherzentrale rät außerdem zu einer Beschwerde bei der BaFin [1]. Psychosoziale Unterstützung bietet der WEISSE RING, das Geld holt er nicht zurück [2].
Vorsicht vor dem zweiten Betrug
Monate oder Jahre nach dem Verlust melden sich oft wieder Täter. Sie behaupten, das Geld sei aufgetaucht, und verlangen dafür eine Gebühr [1, 3]. Dabei geben sie sich als Ermittler, Anwälte oder Mitarbeiter einer Aufsichtsbehörde aus [1, 2, 3]. Die Verbraucherzentrale warnt auch vor angeblichen Verbraucherzentralen, die Verluste gegen Vorabgebühr zurückholen wollen; echte Verbraucherzentralen rufen nicht ungefragt an [1]. Wie diese Folgemasche funktioniert, steht unter Recovery Scam. Lief die Zahlung über Kryptowährungen, findest du weitere Hinweise unter Krypto-Betrug. Ob eine Rechtsschutzversicherung Anwaltskosten in einem späteren Streit übernimmt, hängt von deinem Vertrag ab.
- Organisation So erkennen Sie unseriöse Online-Tradingplattformen. Verbraucherzentrale Bundesverband. Stand 23.10.2026. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Online-Anlagebetrug (Cybertrading). Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Vorsicht vor betrügerischen Handelsplattformen. Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Geldanlage: So erkennen Sie unseriöse Angebote. Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Anlagebetrug über WhatsApp und Telegram. Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde BaFin-Verbrauchertelefon. Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Unternehmensdatenbank. Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Verbraucherinnen und Verbraucher: Unerlaubte Geschäfte und Warnungen. Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Sperr-Notruf 116 116. Sperr-Notruf 116 116 e.V.. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 30.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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