Betrug am Telefon und an der HaustürRatgeber

Heiratsschwindel: wenn das Eheversprechen nur dem Geld gilt

Ein Heiratsschwindler stellt seinem Opfer eine Ehe in Aussicht, um an Geld, Geschenke oder Darlehen zu kommen, oft mit einer vorgespielten finanziellen Notlage. Strafrechtlich kann das Betrug nach § 263 StGB sein. Wer betroffen ist, zahlt nichts mehr, sichert Belege und Nachrichten und erstattet Anzeige.

Eine Frau in den Sechzigern sitzt allein am Cafétisch, daneben eine rote Rose und zwei Kaffeetassen
Bild: KI-generiert

Ein Heiratsschwindler täuscht dem Opfer ernst gemeinte Heiratsabsichten vor [17] und spielt im Lauf der Beziehung oft eine finanzielle Notlage vor, um an Geld zu kommen [2]. Heute genügt den Tätern oft schon die vorgetäuschte Aussicht auf eine Liebesbeziehung; ein ausdrückliches Eheversprechen spielt nicht mehr unbedingt eine Rolle [1].

Was Heiratsschwindel ist

Das Strafgesetzbuch kennt keinen besonderen Straftatbestand des Heiratsschwindels [17]. Rechtlich zählt, was der Täter tut: Er täuscht sein Opfer über seine Absichten, und das Opfer gibt deshalb Geld oder Vermögen her. Das kann Betrug im Sinne des Strafgesetzbuchs sein [5]. Den Opfern entstehen neben materiellen Schäden möglicherweise auch schwere seelische Schäden [1].

Abgrenzung zum Romance Scam

Nach dem Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen kann das Romance Scamming auch als digitale Variante des Heiratsschwindels bezeichnet werden [2]. Der Unterschied liegt vor allem im Kontakt. Romance Scammer treffen ihre Opfer üblicherweise nicht und kommunizieren nur über das Internet [1]. In den meisten Fällen haben die Opfer die Person noch nie im echten Leben getroffen [4]. Beim klassischen Heiratsschwindel kann es dagegen persönliche Treffen geben [1]. Wie der reine Online-Betrug abläuft, erklärt die Seite Romance Scam: Liebesbetrug im Netz.

Wie Heiratsschwindler vorgehen

Ob online oder im echten Leben, die Abläufe ähneln sich. Nach den Beschreibungen der Polizei überhäufen die Täter ihre Opfer schnell mit Komplimenten und Liebesbekundungen und schmieden früh gemeinsame Zukunftspläne [2]. Sie wollen viel über ihr Gegenüber wissen: Hobbys, Familie, frühere Partner [2]. Schon bald nennen sie die neue Bekanntschaft "Ehemann" oder "Ehefrau" und planen die Hochzeit [2, 3]. Mit diesen Heiratsplänen wirken spätere Bitten gerechtfertigt, etwa um ein Visum oder ein gemeinsames Konto [3].

Ein Mann und eine Frau in den Fünfzigern gehen Arm in Arm an einer Uferpromenade, von hinten gesehen
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Ist das Vertrauen da, kommt die Bitte um Geld. Oft wird eine finanzielle Notlage vorgetäuscht, zum Beispiel eine dringende Operation, der plötzliche Tod eines nahen Angehörigen oder sogar eine Festnahme [2]. Manchmal schalten sich weitere angebliche Personen ein, ein "Arzt", ein "Polizist" oder "Angehörige", die zusätzlichen Druck machen sollen [3]. Die Polizei beschreibt Fälle, in denen Täter sogar ihren Selbstmord ankündigen, nur um an das Geld zu kommen [3].

Ausweiskopien und gemeinsame Konten

Täter bitten auch um Kopien von Pass und Personalausweis, angeblich um ein gemeinsames Konto zu eröffnen. Die Daten können für gefälschte Ausweise genutzt werden [3]. Andere sollen Schecks auf ihr eigenes Konto einreichen und den Großteil weiterüberweisen. Die Schecks sind Rückschecks, für deren Rückzahlung an die Bank der Kontoinhaber verantwortlich ist, und im schlimmsten Fall droht dem Opfer eine Strafanzeige wegen Betrugs [3]. Das LKA NRW warnt außerdem davor, das eigene Konto zum Weiterleiten fremder Gelder zur Verfügung zu stellen, weil man sich damit wegen Geldwäsche strafbar machen kann [2].

Warnzeichen

Keines dieser Zeichen beweist für sich einen Betrug. Treffen mehrere zusammen, solltest du genau hinsehen [2, 3, 4]:

  • Die Beziehung entwickelt sich sehr schnell, mit großen Gefühlen, Komplimenten und frühen Heiratsplänen.
  • Geplante Treffen werden kurzfristig wegen dramatischer Zwischenfälle wie Unfall, Krankheit oder Verbrechen abgesagt.
  • Plötzlich wird dringend Geld gebraucht, etwa für eine Operation, ein Flugticket oder eine offene Hotelrechnung.
  • Du sollst Ausweiskopien schicken, ein gemeinsames Konto eröffnen, Schecks einlösen oder Pakete weiterleiten.
  • Die Person setzt dich emotional unter Druck, zum Beispiel mit Sätzen wie "Du bist meine letzte Hoffnung".

Vorbeugen beim Kennenlernen

Das LKA NRW rät, den Namen einer neuen Bekanntschaft aus dem Internet mit einer Suchmaschine zu prüfen und vorhandene Fotos über eine Bildersuche abzugleichen [2]. Für den Kontakt nutzt du am besten eine eigene, zusätzliche E-Mail-Adresse und gehst sparsam mit Klarnamen, Adresse, Bildern und Videos um, besonders mit intimen Aufnahmen [2]. Geld überweist du niemandem, den du nur aus dem Internet kennst und nie persönlich getroffen hast [2].

Für das erste Treffen empfiehlt die Polizei einen belebten Ort, am besten ein Lokal oder Café in einer Gegend, die du kennst, und nie eine Wohnung [16]. Plane An- und Abreise selbst, damit du nicht von der neuen Bekanntschaft abhängig bist, sag einer Vertrauensperson, wann und wo du verabredet bist, und nimm dein Handy aufgeladen mit [16]. Ausweiskopien schickst du nicht, auch nicht für ein angeblich gemeinsames Konto, denn damit lassen sich Ausweise fälschen [3]. Hast du schon Kopien verschickt und gibt es konkrete Anhaltspunkte, dass deine Daten für gefälschte Ausweise missbraucht werden, rät die Polizei zur Strafanzeige [3].

Was das Strafrecht sagt

Betrug begeht, wer in der Absicht, sich oder einem Dritten einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, das Vermögen eines anderen dadurch beschädigt, dass er durch Vorspiegelung falscher oder durch Entstellung oder Unterdrückung wahrer Tatsachen einen Irrtum erregt oder unterhält [5]. Die Strafe ist Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe, schon der Versuch ist strafbar [5]. In besonders schweren Fällen drohen sechs Monate bis zehn Jahre. Ein solcher Fall liegt in der Regel unter anderem vor, wenn der Täter gewerbsmäßig handelt oder eine andere Person in wirtschaftliche Not bringt [5].

Nicht jede gescheiterte Beziehung, in der Geld geflossen ist, ist ein Betrug. Strafbar wird es erst, wenn alle Merkmale des Gesetzes erfüllt sind, also vor allem Täuschung, Irrtum, Vermögensschaden und die Absicht, sich zu bereichern [5]. Ob das im Einzelfall vorliegt, klären Polizei, Staatsanwaltschaft und Gericht. Einen Überblick über die Vorschriften gibt die Seite Betrug im Strafgesetzbuch.

Was das Familienrecht sagt

Diese Seite ersetzt keine Rechtsberatung. Wer sein Geld zurückfordern oder eine Ehe beenden will, sollte sich anwaltlich beraten lassen. Einige Grundregeln stehen aber direkt im Bürgerlichen Gesetzbuch.

Zwei schlichte goldene Ringe liegen neben einem geschlossenen Umschlag auf einem dunklen Holztisch
Bild: KI-generiert

Wenn es nur bei der Verlobung blieb

Aus einer Verlobung kann niemand verlangen, dass die Ehe auch geschlossen wird [6]. Unterbleibt die Hochzeit, kann jeder Verlobte vom anderen herausverlangen, was er ihm geschenkt oder zum Zeichen des Verlöbnisses gegeben hat. Das richtet sich nach den Vorschriften über die ungerechtfertigte Bereicherung [7]. Tritt ein Verlobter von der Verlobung zurück, muss er dem anderen den Schaden ersetzen, der entstanden ist, weil dieser in Erwartung der Ehe Aufwendungen gemacht oder Verbindlichkeiten eingegangen ist. Ersetzt wird nur, was den Umständen nach angemessen war, und die Pflicht entfällt, wenn es einen wichtigen Grund für den Rücktritt gibt [8]. Die Verjährungsfrist dieser Ansprüche beginnt mit der Auflösung des Verlöbnisses [9].

Wenn schon geheiratet wurde

Eine Ehe kann nur durch richterliche Entscheidung auf Antrag aufgehoben werden [10]. Ein Aufhebungsgrund ist, dass ein Ehegatte durch arglistige Täuschung über Umstände zur Ehe bestimmt worden ist, die ihn bei Kenntnis der Sachlage und richtiger Würdigung des Wesens der Ehe davon abgehalten hätten [11]. Das Gesetz macht aber zwei Ausnahmen: Der Grund gilt nicht, wenn die Täuschung die Vermögensverhältnisse betrifft oder von einem Dritten ohne Wissen des anderen Ehegatten verübt worden ist [11]. Der Antrag muss in diesem Fall binnen eines Jahres gestellt werden. Die Frist beginnt mit der Entdeckung der Täuschung, und ist die Ehe bereits aufgelöst, kann der Antrag nicht mehr gestellt werden [12].

Schadensersatz

Zivilrechtlich kommen Ersatzansprüche in Betracht. Wer gegen ein Gesetz verstößt, das den Schutz eines anderen bezweckt, ist zum Ersatz des Schadens verpflichtet [13]. Ebenso muss Schadensersatz leisten, wer einem anderen in einer gegen die guten Sitten verstoßenden Weise vorsätzlich Schaden zufügt [14]. Ob und wie sich solche Ansprüche durchsetzen lassen, hängt vom Einzelfall ab. Ob eine Rechtsschutzversicherung die Kosten eines Verfahrens trägt, regelt dein Vertrag.

Wenn du betroffen bist

Geh nicht auf weitere Forderungen ein, auch nicht, wenn sich angebliche Helfer melden, etwa Anwälte oder ausländische Polizeibehörden [2]. Nimm Kontakt zu deiner Bank auf und mach geleistete Zahlungen, wenn möglich, sofort rückgängig [2]. Sichere Beweise, also E-Mails, Chatverläufe, Screenshots und Benutzernamen, und heb Überweisungsbelege auf [2]. Danach erstattest du Anzeige bei der Polizei; das LKA NRW nennt dafür jede nahe gelegene Polizeiwache oder die Online-Anzeige [2]. Wie das geht, steht unter Betrug anzeigen, mögliche Wege zum Geld unter Geld vom Betrüger zurückfordern.

Eine Frau in den Sechzigern spricht auf einer Parkbank mit einer Freundin, die ihr die Hand auf den Arm legt
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Heiratsschwindler setzen darauf, dass ihre Opfer die Tat aus Scham nicht anzeigen, was die Strafverfolgung erheblich behindert [1]. Du bist mit dem Erlebten nicht allein. Das Opfer-Telefon des WEISSEN RINGS unter 116 006 ist bundesweit, kostenfrei und anonym erreichbar, an sieben Tagen in der Woche von 7 bis 22 Uhr [15]. Wie sich ein solcher Betrug seelisch auswirken kann, beschreibt die Seite Psychische Folgen von Betrug.

  1. Heiratsschwindler. Wikipedia. Stand 23.05.2025. abgerufen am 29.10.2026
  2. Behörde Romance-Scamming: Präventionshinweis zum Betrug mit vorgetäuschter Liebe. Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen. Stand Februar 2025. abgerufen am 29.10.2026
  3. Behörde Scamming: Vorsicht bei virtuellen Bekanntschaften. Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Behörde Online-Betrug: Romance Scamming (Liebesbetrug). Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  5. Gesetz § 263 StGB: Betrug. Bundesministerium der Justiz. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Gesetz § 1297 BGB: Kein Antrag auf Eingehung der Ehe, Nichtigkeit eines Strafversprechens. Bundesministerium der Justiz. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  7. Gesetz § 1301 BGB: Rückgabe der Geschenke. Bundesministerium der Justiz. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  8. Gesetz § 1298 BGB: Ersatzpflicht bei Rücktritt. Bundesministerium der Justiz. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  9. Gesetz § 1302 BGB: Verjährung. Bundesministerium der Justiz. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  10. Gesetz § 1313 BGB: Aufhebung durch richterliche Entscheidung. Bundesministerium der Justiz. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  11. Gesetz § 1314 BGB: Aufhebungsgründe. Bundesministerium der Justiz. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  12. Gesetz § 1317 BGB: Antragsfrist. Bundesministerium der Justiz. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  13. Gesetz § 823 BGB: Schadensersatzpflicht. Bundesministerium der Justiz. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  14. Gesetz § 826 BGB: Sittenwidrige vorsätzliche Schädigung. Bundesministerium der Justiz. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  15. Organisation Opfer-Telefon 116 006. WEISSER RING e.V.. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  16. Behörde Beim Online-Dating an Herz und Sicherheit denken. Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  17. Heiratsschwindel. Brockhaus Enzyklopädie. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 30.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.