Betrug am Telefon und an der HaustürRatgeber

Enkeltrick und Schockanruf erkennen und richtig reagieren

Beim Enkeltrick geben sich Anrufer als Verwandte oder gute Bekannte aus und bitten wegen einer angeblichen Notlage dringend um Bargeld. Beim Schockanruf erfinden sie einen Unfall oder eine drohende Haft eines Angehörigen. Die Polizei rät, sofort aufzulegen, die Person unter der bekannten Nummer zurückzurufen und bei Verdacht die 110 zu wählen.

Eine ältere Frau sitzt im Sessel im Wohnzimmer und hält besorgt ein schnurloses Telefon ans Ohr
Bild: KI-generiert

Der Anruf kommt meist ohne Vorwarnung, und am anderen Ende ist angeblich der Enkel, die Tochter oder ein Polizist. Wenige Minuten später soll Geld fließen. Enkeltrick und Schockanruf sind zwei Spielarten derselben Idee: Täter erfinden eine Notlage in der Familie und drängen zur schnellen Zahlung. Die Polizeiliche Kriminalstatistik definiert den Enkeltrick als Vorspiegelung eines Verwandtschaftsverhältnisses und den Schockanruf als Vorspiegelung eines Unfalls oder einer Notsituation einer nahestehenden Person; in beiden Fällen soll der Geschädigte einen Geldbetrag an den Täter zahlen [1].

So läuft der Enkeltrick ab

Der Einstieg ist oft ein Satz wie "Rate mal, wer hier spricht". Die Betrüger rufen meist bei älteren und allein lebenden Menschen an, geben sich als Verwandte, Enkel oder gute Bekannte aus und bitten kurzfristig um Bargeld [2]. Als Grund nennen sie einen finanziellen Engpass oder eine Notlage, zum Beispiel einen Unfall oder einen Auto- oder Computerkauf. Die Lage wird immer als äußerst dringend dargestellt, und oft setzen wiederholte Anrufe die Betroffenen zusätzlich unter Druck [2].

Eine leicht geöffnete Wohnungstür im ruhigen Treppenhaus, daneben ein geschlossener brauner Umschlag auf einer Ablage
Bild: KI-generiert

Sobald das Opfer zahlen will, kündigen die Täter einen Boten an, der das Geld abholt. Hat die angerufene Person die Summe nicht im Haus, soll sie sofort zur Bank gehen und abheben. Manchmal bestellt der Täter sogar ein Taxi, wenn das Opfer den Weg nicht mehr zu Fuß schafft [2]. Nach Angaben der Polizei haben Enkeltrick-Betrüger auf diese Weise schon Beträge im fünfstelligen Eurobereich erbeutet [2]. Die Polizeiliche Kriminalprävention beschreibt, dass Betroffene zu Bargeldübergaben oder Blitzüberweisungen gedrängt werden [4].

Der Schockanruf: Angst als Druckmittel

Den Schockanruf zählt die Polizei zu den häufigsten Betrugsmaschen [3]. Die Anrufer behaupten, mit dem Opfer verwandt oder gut bekannt zu sein. Sie geben an, einen schweren oder sogar tödlichen Unfall verursacht zu haben und nur mit einer Kaution in Form von Bargeld oder Wertgegenständen der Haft zu entgehen. Eine andere Geschichte ist das Geld für eine lebenserhaltende Operation nach einem Unfall [3]. Oft treten die Täter auch selbst als Polizeibeamte oder andere Amtspersonen auf [3]; die Polizeiliche Kriminalprävention nennt außerdem falsche Staatsanwälte und falsches Klinikpersonal [4]. Unter Zeitdruck verlangen sie die Übergabe von Geld, Zahlungskarten oder Wertsachen [4]. Das Ziel ist laut Polizei immer das Vermögen der Betroffenen, etwa Bargeld, Gold oder Schmuck [3].

Ein älterer Mann steht angespannt am Küchenfenster und hält ein Mobiltelefon ans Ohr, trübes Tageslicht
Bild: KI-generiert

Bei Anrufen auf dem Handy kann es vorkommen, dass die Betroffenen bis zur Geldübergabe in der Leitung gehalten werden. Sie sollen so mit niemandem außerhalb der Situation sprechen können und im Schockzustand bleiben [3]. Die Geschichten passen die Täter flexibel an die Lebensumstände der Angerufenen an [3].

Neue Varianten über Messenger und mit KI-Stimmen

Inzwischen nutzen die Täter auch Messenger. Sie schreiben über WhatsApp und andere Messenger im Namen von Töchtern, Söhnen oder Enkeln und bitten um Überweisungen [2]. Laut Polizei lautet der häufigste Einstieg sinngemäß "Hallo Mama, hallo Papa, das ist meine neue Handynummer" [5]. Der erste Kontakt kommt oft per SMS, danach drängen die Betrüger schnell in einen Messenger [5]. Bevor du eine angeblich neue Nummer speicherst, fragst du die Person unter ihrer alten, bekannten Nummer, ob die Nachricht wirklich von ihr stammt [5].

Mit künstlicher Intelligenz lassen sich Stimmen von Angehörigen inzwischen täuschend echt nachahmen, was den Druck in solchen Anrufen erhöht [4]. Hinweise auf eine gefälschte Stimme können ein blecherner oder unnatürlicher Klang sein, bei Videoanrufen Lippenbewegungen, die nicht zum Ton passen [6]. Ausführlich geht es darum auf der Seite Betrug mit KI-Stimmen und Deepfakes.

Hast du eine solche Nachricht bekommen, rät die Polizei, die Nummer zu blockieren, den Vorfall der Polizei zu melden und den Chat danach zu löschen. Hast du schon Geld überwiesen, sicherst du vorher den gesamten Chatverlauf, etwa mit Screenshots, und erstattest Anzeige [5].

Warum die Maschen wirken

Die Polizeiliche Kriminalprävention ordnet Enkeltrick und Schockanruf dem Social Engineering zu: Die Täter nutzen gezielt Gefühle und Zeitdruck, um Menschen am Telefon zu verunsichern [4]. Beim Enkeltrick täuschen sie emotionale Nähe vor, beim Schockanruf setzen sie auf Angst und auf die Autorität angeblicher Polizisten, Staatsanwälte oder Klinikmitarbeiter [4]. Nach Aussage der Geschäftsführerin der Polizeilichen Kriminalprävention verursacht vor allem der Schockanruf hohe finanzielle Schäden und belastet Menschen von jung bis alt psychisch schwer [4]. Die Täter passen ihre Maschen gezielt an Lebenslage und Verletzlichkeit der Opfer an [4]. Die bundesweite Kampagne der Polizei dazu heißt "CESA", kurz für Callcenterbetrug, Enkeltrick und SchockAnruf [4].

Manchmal dient der Anruf nur als Türöffner. Trickdiebe rufen vorher als lange nicht gesehene Verwandte an, meist als Enkel mit plötzlichem Geldbedarf, und lassen sich dann in die Wohnung bitten [9]. Eine Expertin der EURO Kartensysteme sagt in der Mitteilung der Polizei, wer verinnerlicht habe, dass Geldinstitute oder Behörden nie sensible Daten oder die Herausgabe von Wertsachen am Telefon anfordern, lasse sich auch unter Zeitdruck nicht aus der Ruhe bringen [4].

Was die Kriminalstatistik zeigt

In der Polizeilichen Kriminalstatistik werden Enkeltrick und Schockanrufe als ein gemeinsames Phänomen gezählt. Für 2025 weist sie 4.798 Fälle aus, nach 6.656 Fällen im Jahr 2024 [1]. Diese Zahlen umfassen nur Taten, bei denen mindestens eine tatverdächtige Person im Inland gehandelt hat [1]. Taten, die vollständig aus dem Ausland heraus begangen werden, fehlen darin, und laut Bericht dürfte die zunehmende Begehung von Betrug aus dem Ausland die Entwicklung der Fallzahlen beeinflussen [1].

Phänomen in der PKSFälle 2024Fälle 2025
Enkeltrick/Schockanrufe6.6564.798 [1]
falsche Polizeivollzugsbeamte3.9044.567 [1]

So reagierst du am Telefon

Die Polizei empfiehlt, sofort aufzulegen, wenn ein Anruf Angst macht oder Druck aufbaut. Das ist nicht unhöflich und verschafft dir Zeit zum Durchatmen [3]. Danach rufst du die angebliche Person oder jemanden aus deinem Vertrauen unter einer dir bekannten Nummer an [3].

Weitere Ratschläge der Polizei für solche Gespräche [2, 3, 4]:

  • Rate nicht, wer anruft, sondern lass den Anrufer seinen Namen selbst nennen.
  • Frag nach Dingen, die nur der echte Verwandte oder Bekannte wissen kann.
  • Nenn keine Details zu deiner Familie und deinen Finanzen.
  • Gib am Telefon nie Passwörter, PINs, TANs oder Kontodaten heraus.
  • Besprich jede Geldforderung mit Angehörigen oder anderen Vertrauten.
  • Übergib niemals Geld oder Wertsachen wie Schmuck an Unbekannte, auch nicht an die Polizei.

Kommt dir ein Anruf verdächtig vor, informierst du unverzüglich die Polizei unter 110 [2]. Jeden Betrugsversuch der Polizei zu melden, gehört zu den fünf Verhaltensregeln, die die Polizeiliche Kriminalprävention 2026 veröffentlicht hat [4].

Vorbeugen in der Familie

Die Polizei rät, sich gedanklich auf solche Anrufe vorzubereiten [3]. Tipps für Gespräche mit Eltern und Großeltern stehen unter Ältere Angehörige vor Betrug schützen.

Eine Frau und ihre betagte Mutter sitzen mit Tee am Küchentisch und unterhalten sich ruhig
Bild: KI-generiert

Ein Kennwort vereinbaren

Die Polizei empfiehlt, innerhalb der Familie und mit Freunden ein Kennwort zu vereinbaren, an dem man sich am Telefon erkennt [3]. Für Anrufe mit möglicherweise nachgeahmter Stimme gilt das ebenso: Ein Codewort für echte Notfälle kennt eine KI nicht, und eine persönliche Frage sollte nichts betreffen, was öffentlich bekannt ist oder sich leicht recherchieren lässt [6].

Telefonbucheintrag und Wertsachen

Täter wählen ihre Opfer gezielt über das Telefonbuch aus. Ältere Vornamen oder kurze Telefonnummern deuten für sie auf ältere Menschen hin [2]. Die Polizei rät deshalb, den Vornamen im Eintrag abkürzen zu lassen oder sich ganz austragen zu lassen; ein Formular dafür gibt es beim Telefonanbieter [2]. Höhere Geldbeträge und andere Wertsachen lagerst du nach Empfehlung der Polizei besser auf der Bank oder im Bankschließfach als zu Hause [2].

Wenn du schon gezahlt hast

Zeig die Tat in jedem Fall bei der Polizei an. Das hilft ihr, Zusammenhänge zu erkennen und die Täter zu überführen [2]. Wie das geht, beschreibt die Seite Betrug anzeigen. Hast du Kontodaten, PINs oder andere persönliche Informationen weitergegeben, lässt du Karten und Konten über den Sperr-Notruf 116 116 sperren [4]. Aus dem deutschen Festnetz ist der Anruf kostenlos, aus dem Ausland erreichst du ihn unter +49 116 116 [7]. Die weiteren Schritte stehen unter Karte und Konto sperren.

Wer schon einmal Opfer eines Telefonbetrugs war, dessen Nummer haben die Täter nach Einschätzung der Polizei höchstwahrscheinlich für weitere Versuche gespeichert. Kommen häufig solche Anrufe, rät die Polizei zu einer neuen Rufnummer ohne Telefonbucheintrag. Für Opfer von Telefonbetrug ist der Wechsel in der Regel kostenlos [2].

Nach einer Tat kannst du über das Erlebte sprechen: Das Opfer-Telefon des WEISSEN RINGS unter 116 006 ist bundesweit kostenfrei und anonym erreichbar, an sieben Tagen in der Woche von 7 bis 22 Uhr [8]. Wie man sich gegen Ping-Anrufe und "Hallo Mama"-Nachrichten auf dem Handy wehrt, erklärt der Ratgeber Telefonbetrug auf handy.rocks.

  1. Behörde Polizeiliche Kriminalstatistik 2025: Ausgewählte Zahlen im Überblick (IMK-Bericht), Seiten 31 und 72. Bundesministerium des Innern und Bundeskriminalamt. Stand April 2026. abgerufen am 29.10.2026
  2. Behörde Vorsicht vor falschen Enkeln. Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  3. Behörde Schockanrufe. Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Behörde Falsche Enkel, echte Gefahr: Telefonbetrug rechtzeitig durchschauen. Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Stand 25.02.2026. abgerufen am 29.10.2026
  5. Behörde Messenger-Betrug. Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Behörde Online-Betrug: Deepfake-Betrug. Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  7. Organisation Karte sperren unter 116 116. Sperr-Notruf 116 116 e.V.. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  8. Organisation Opfer-Telefon 116 006. WEISSER RING e.V.. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  9. Behörde Trickdiebstahl: Lassen Sie keine Fremden in die Wohnung!. Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 30.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.