Lieferantenbetrug
Vorkasse zahlen, dann keine Lieferung. Oder echter Lieferant wird per IBAN-Änderung gekapert.
Was Lieferantenbetrug ist
Lieferantenbetrug umfasst mehrere Varianten, in denen Unternehmen durch falsche oder kompromittierte Lieferanten geschädigt werden. Die finanziellen Schäden können erheblich sein, gerade bei größeren Bestell-Volumina.
Die typischen Varianten
1. Schein-Lieferant mit Vorkasse
Ein Unternehmen sucht nach günstigen Konditionen, findet im Netz einen Anbieter mit attraktivem Preis. Lieferung gegen Vorkasse, danach kein Kontakt mehr. Ware kommt nie.
Variante: erste Lieferung erfolgt zuverlässig (kleine Bestellung, klein-Vertrauensbildung), bei größerer Vorkasse-Bestellung verschwindet der Lieferant.
2. IBAN-Änderung beim echten Lieferanten
Mehr in Rechnungsbetrug. Täter haben Lieferanten-Mail kompromittiert oder spoofen, schicken IBAN-Änderungs-Mitteilung. Geld geht an Täter, echte Rechnung bleibt offen, später kommt zweite Forderung.
3. Long-Cons mit Bonität-Aufbau
Schein-Firma baut über Monate Bonität auf (kleine Aufträge, pünktlich beliefert, kleine Beziehungs-Geschichte) - dann große Vorkasse-Bestellung, Verschwinden.
4. Marktplatz-Betrug bei B2B-Plattformen
Auf B2B-Marktplätzen (Mercateo, Alibaba, branchenspezifische Plattformen) gefälschte Anbieter, die Lager- und Lieferzeiten vortäuschen.
5. Zertifikats-Fälschungen
Falsche ISO-Zertifikate, falsche Trust-Logos, falsche „Marktführer-Auszeichnungen“.
Wer ist besonders gefährdet?
- Einkauf unter Zeitdruck: wenn Material schnell beschafft werden muss
- Suche nach günstigsten Konditionen: Online-Marktplätze mit Lockangeboten
- Wechselnde Mitarbeiter im Einkauf: fehlende Erfahrung mit Lieferanten
- Internationale Lieferketten: Verifizierung im Ausland aufwendig
- Unternehmen ohne klares Lieferanten-Management
Prüf-Workflow für neue Lieferanten
- Handelsregister-Eintrag: bei deutschen Firmen prüfen über unternehmensregister.de
- USt-ID: über evatr.bff-online.de bestätigen
- Adresse: per Google Maps prüfen (Sitz oder reine Briefkasten-Adresse?)
- Telefon: anrufen, Person verlangen, kurzes Gespräch zur Plausibilitäts-Prüfung
- Domain-Alter: Whois-Check, neue Domains bei vermeintlich etablierten Firmen sind Warn-Signal
- Google-Suche: Firmenname + „Erfahrung“, „Betrug“, „Insolvenz“
- Branchen-Kreise: bei Industrieverband oder IHK nachfragen
- Wirtschaftsauskunft: bei größeren Aufträgen Bonitäts-Check (Bisnode, Creditreform, Schufa-B2B)
- Bei Erstauftrag mit Vorkasse: nur kleinerer Betrag, schrittweiser Vertrauens-Aufbau
Schutz-Strategien
1. Klare Lieferanten-Stammdaten
- Zentrales Lieferanten-Management mit dokumentierten Konditionen, IBAN, Ansprechpartner
- IBAN-Änderungen nur mit schriftlicher Bestätigung + telefonischer Rückbestätigung auf bekannter Nummer
- Bei kritischen Lieferanten: dokumentierte Kommunikations-Wege
2. Zahlungs-Risiko-Management
- Vorkasse vermeiden, wenn möglich
- Bei Vorkasse: Akkreditiv oder Treuhand-Lösung
- Bei größeren Beschaffungen: Anzahlung statt Vollzahlung
- Zahlung auf Rechnung mit Skonto verhandeln
3. Bei internationalen Lieferanten
- Vor-Ort-Prüfung bei größeren Aufträgen (Werks-Besichtigung)
- Spezialisierte Prüf-Dienstleister (SGS, TUV-Audit)
- Akkreditiv über europäische Bank
- Trade-Insurance prüfen
Falls du Opfer wurdest
- Sofort Bank kontaktieren - SEPA-Recall versuchen
- Anzeige bei Polizei - inkl. aller Beweis-Dokumente
- Bei Auslands-Bezug: BKA, Internet-Wache
- Wirtschaftsdetektei bei größeren Schäden
- Anwalt für Wirtschaftsrecht
- Bei kompromittierten Mail-Konten (entweder bei dir oder beim Lieferanten): IT-Forensik einschalten
- Versicherung: Warenkredit-Versicherung greift teilweise bei nicht gelieferter Ware nach Vorkasse
- Lessons learned: Prozesse anpassen
Versicherungs-Schutz
- Warenkredit-Versicherung: bei nicht gelieferter Ware oder Insolvenz des Lieferanten
- Cyber-Versicherung: bei IBAN-Änderungs-Betrug, wenn Mail-System des Lieferanten kompromittiert war
- Vertrauensschadens-Versicherung: bei Innentäter-Lieferanten-Beziehung
Mehr in Cyber-Versicherung.
Schäden 2024 (Branchenverbände-Schätzungen)
- Durchschnittlicher Lieferanten-Vorkasse-Schaden: 25.000-150.000 Euro
- IBAN-Änderungs-Fälle: oft 5.000-50.000 Euro pro Vorfall
- Lange Cons (Bonitäts-Aufbau): bis 500.000 Euro
- Erkennungs-Rate vor Schaden: bei systematischer Prüfung gut 80-90 %
IT-Sicherheit für dein Unternehmen?
SEO NW arbeitet seit 2012 als Agentur für technische Prävention, Mitarbeiter-Sensibilisierung und IT-Sicherheit.
SEO NW Agentur