🚨 Im Notfall: Polizei: 110 Bank/Karten-Sperre: 116 116 → Was jetzt zu tun ist
Im Notfall

Identitätsdiebstahl: Was tun?

Du hast Hinweise, dass deine Identität missbraucht wird? Die wichtigsten Schritte in der richtigen Reihenfolge.

Erste Anzeichen

Du hast Hinweise auf Identitätsdiebstahl, wenn:

  • Rechnungen oder Mahnungen für Sachen ankommen, die du nicht bestellt hast
  • Inkasso-Briefe oder Schufa-Einträge auftauchen
  • Bank schreibt über Konto-Eröffnung, die du nicht gemacht hast
  • Unbekannte Online-Accounts werden mit deiner E-Mail erstellt
  • Verträge auftauchen, die du nicht abgeschlossen hast
  • Polizei oder Beerdigungsinstitute kontaktieren dich (in extremen Fällen)

Schritt-für-Schritt-Anleitung

Schritt 1: Beweise sichern

  • Alle Schreiben, Rechnungen, Mahnungen aufbewahren
  • Screenshots verdächtiger E-Mails
  • Liste der bisher bekannten Vorfälle erstellen
  • Zeitstempel und Inhalt dokumentieren

Schritt 2: Strafanzeige

Mehr in Anzeige erstatten.

  • Polizei oder Online-Wache
  • Aktenzeichen unbedingt notieren
  • Das Aktenzeichen brauchst du für fast alle weiteren Schritte

Schritt 3: Schufa-Selbstauskunft

  • Kostenfreie Selbstauskunft nach Paragraph 15 DSGVO einmal pro Jahr
  • Online unter meineSchufa.de
  • Prüfen, welche Einträge bestehen, welche du kennst und welche nicht
  • Bei falschen Einträgen: schriftlicher Widerspruch mit Anzeige-Aktenzeichen
  • Schufa muss falsche Einträge löschen

Schritt 4: CRIF, infoscore, Boniversum (weitere Auskunfteien)

Neben Schufa gibt es weitere Auskunfteien:

  • CRIF (früher infoscore): Selbstauskunft kostenfrei
  • Boniversum: Selbstauskunft kostenfrei
  • Auch hier: prüfen, ggf. widersprechen

Schritt 5: Bank / Konto

  • Eigene Bank kontaktieren
  • Konto auf unbekannte Bewegungen prüfen
  • Bei Verdacht auf Konto-Eröffnung mit deinen Daten: schriftlich anfechten
  • Bei Online-Banking: alle Passwörter ändern, MFA aktivieren

Schritt 6: Verträge widerrufen / anfechten

Bei Verträgen, die nicht von dir abgeschlossen wurden:

  • Schriftliche Anfechtung wegen arglistiger Täuschung (Paragraph 123 BGB) per Einschreiben
  • Strafanzeige-Aktenzeichen anfügen
  • Identitätsausweis-Kopie zur Prüfung
  • Frist setzen, üblicherweise 14 Tage
  • Bei Inkasso: ebenfalls schriftlich widersprechen, nicht zahlen

Schritt 7: Online-Accounts prüfen

  • Have-I-Been-Pwned-Check (haveibeenpwned.com): wo war deine Mail in Leaks?
  • Alle wichtigen Passwörter ändern
  • MFA überall aktivieren (mehr in Passwörter und MFA)
  • Bei Account-Takeover-Verdacht: Anbieter-Support kontaktieren

Schritt 8: Mobilfunk und Verträge

  • Mobilfunk-Anbieter prüfen lassen: wurden Verträge in deinem Namen abgeschlossen?
  • SIM-Swap-Verdacht: sofort Provider informieren
  • Andere Versorger prüfen (Strom, Gas, Internet)

Schritt 9: E-Mail-Account sichern

Falls dein E-Mail-Account übernommen wurde, ist das das größte Problem:

  • Passwort von sicherem Gerät ändern
  • MFA aktivieren (idealerweise mit Authenticator-App)
  • Filter und Weiterleitungs-Regeln prüfen (Täter richten oft heimlich Weiterleitung ein)
  • Recovery-Optionen aktualisieren
  • Aktive Sessions beenden
  • Geräte-Liste prüfen

Schritt 10: Behörden

  • Bei Identitäts-Diebstahl mit gefälschten Ausweisen: Personalausweis ggf. austauschen
  • Bürgeramt informieren
  • Bei Steuer-Identitäts-Missbrauch: Finanzamt informieren

Anwältliche Hilfe

Bei größeren oder komplexen Fällen:

  • Anwalt für IT-/Datenschutzrecht
  • Anwalt für Strafrecht (Nebenklage)
  • Verbraucherzentrale (kostenlose Erstberatung)

Wer haftet

Bei Identitätsdiebstahl ohne dein Verschulden:

  • Verträge: meist erfolgreich angefochten, du musst nicht zahlen
  • Kreditkartenschäden: Bank übernimmt typisch 100 %
  • Konto-Bewegungen: bei nicht-autorisierten Buchungen kein Schaden
  • Schufa-Einträge: bei Falschangaben muss Schufa löschen

Was du nicht tun solltest

  • Inkasso-Forderungen einfach zahlen, um Ruhe zu haben (das bestätigt die Forderung)
  • Selbstanzeige bei Polizei (du bist Geschädigter, kein Täter)
  • In Inkasso-Schreiben angegebene Telefonnummern anrufen
  • Persönliche Daten nochmal versenden, um „zu verifizieren“
  • Auf E-Mails mit „neue Informationen zu Ihrem Fall“ klicken

Zeit-Plan

Realistische Erwartungen:

  • Erste Woche: Anzeige, Beweise sichern, Schufa prüfen, eigene Konten sichern
  • Erste Monate: Anfechtungen verschicken, Schufa-Löschungen, Inkasso-Widersprüche
  • Erste 6-12 Monate: oft noch Folgen, neue Einträge tauchen auf, dann erneut handeln
  • Nach 1-2 Jahren: oft Beruhigung, aber Wachsamkeit weiter nötig

Präventive Maßnahmen nach Vorfall

  • Schufa-Selbstauskunft jährlich
  • Push-Benachrichtigungen für alle Konten
  • MFA überall
  • Posteingang und E-Mails regelmäßig prüfen
  • Bei verdächtigen E-Mails sofort handeln
  • Datenschutz im Alltag: weniger persönliche Daten preisgeben

Psychologische Folgen

Identitätsdiebstahl ist nicht nur finanziell, sondern auch psychologisch belastend - Gefühl der Verletzlichkeit, Misstrauen, Wachsamkeit. Mehr in Psychologische Folgen von Betrug.

Bei anhaltenden Belastungen: professionelle Hilfe nicht zögern.

Brauchst du Hilfe?

Bei akuter Betroffenheit: Polizei 110 oder Sperr-Hotline 116 116. Bei IT-Sicherheits-Fragen im Unternehmen hilft SEO NW.

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