Identitätsdiebstahl: Was tun?
Du hast Hinweise, dass deine Identität missbraucht wird? Die wichtigsten Schritte in der richtigen Reihenfolge.
Erste Anzeichen
Du hast Hinweise auf Identitätsdiebstahl, wenn:
- Rechnungen oder Mahnungen für Sachen ankommen, die du nicht bestellt hast
- Inkasso-Briefe oder Schufa-Einträge auftauchen
- Bank schreibt über Konto-Eröffnung, die du nicht gemacht hast
- Unbekannte Online-Accounts werden mit deiner E-Mail erstellt
- Verträge auftauchen, die du nicht abgeschlossen hast
- Polizei oder Beerdigungsinstitute kontaktieren dich (in extremen Fällen)
Schritt-für-Schritt-Anleitung
Schritt 1: Beweise sichern
- Alle Schreiben, Rechnungen, Mahnungen aufbewahren
- Screenshots verdächtiger E-Mails
- Liste der bisher bekannten Vorfälle erstellen
- Zeitstempel und Inhalt dokumentieren
Schritt 2: Strafanzeige
Mehr in Anzeige erstatten.
- Polizei oder Online-Wache
- Aktenzeichen unbedingt notieren
- Das Aktenzeichen brauchst du für fast alle weiteren Schritte
Schritt 3: Schufa-Selbstauskunft
- Kostenfreie Selbstauskunft nach Paragraph 15 DSGVO einmal pro Jahr
- Online unter meineSchufa.de
- Prüfen, welche Einträge bestehen, welche du kennst und welche nicht
- Bei falschen Einträgen: schriftlicher Widerspruch mit Anzeige-Aktenzeichen
- Schufa muss falsche Einträge löschen
Schritt 4: CRIF, infoscore, Boniversum (weitere Auskunfteien)
Neben Schufa gibt es weitere Auskunfteien:
- CRIF (früher infoscore): Selbstauskunft kostenfrei
- Boniversum: Selbstauskunft kostenfrei
- Auch hier: prüfen, ggf. widersprechen
Schritt 5: Bank / Konto
- Eigene Bank kontaktieren
- Konto auf unbekannte Bewegungen prüfen
- Bei Verdacht auf Konto-Eröffnung mit deinen Daten: schriftlich anfechten
- Bei Online-Banking: alle Passwörter ändern, MFA aktivieren
Schritt 6: Verträge widerrufen / anfechten
Bei Verträgen, die nicht von dir abgeschlossen wurden:
- Schriftliche Anfechtung wegen arglistiger Täuschung (Paragraph 123 BGB) per Einschreiben
- Strafanzeige-Aktenzeichen anfügen
- Identitätsausweis-Kopie zur Prüfung
- Frist setzen, üblicherweise 14 Tage
- Bei Inkasso: ebenfalls schriftlich widersprechen, nicht zahlen
Schritt 7: Online-Accounts prüfen
- Have-I-Been-Pwned-Check (haveibeenpwned.com): wo war deine Mail in Leaks?
- Alle wichtigen Passwörter ändern
- MFA überall aktivieren (mehr in Passwörter und MFA)
- Bei Account-Takeover-Verdacht: Anbieter-Support kontaktieren
Schritt 8: Mobilfunk und Verträge
- Mobilfunk-Anbieter prüfen lassen: wurden Verträge in deinem Namen abgeschlossen?
- SIM-Swap-Verdacht: sofort Provider informieren
- Andere Versorger prüfen (Strom, Gas, Internet)
Schritt 9: E-Mail-Account sichern
Falls dein E-Mail-Account übernommen wurde, ist das das größte Problem:
- Passwort von sicherem Gerät ändern
- MFA aktivieren (idealerweise mit Authenticator-App)
- Filter und Weiterleitungs-Regeln prüfen (Täter richten oft heimlich Weiterleitung ein)
- Recovery-Optionen aktualisieren
- Aktive Sessions beenden
- Geräte-Liste prüfen
Schritt 10: Behörden
- Bei Identitäts-Diebstahl mit gefälschten Ausweisen: Personalausweis ggf. austauschen
- Bürgeramt informieren
- Bei Steuer-Identitäts-Missbrauch: Finanzamt informieren
Anwältliche Hilfe
Bei größeren oder komplexen Fällen:
- Anwalt für IT-/Datenschutzrecht
- Anwalt für Strafrecht (Nebenklage)
- Verbraucherzentrale (kostenlose Erstberatung)
Wer haftet
Bei Identitätsdiebstahl ohne dein Verschulden:
- Verträge: meist erfolgreich angefochten, du musst nicht zahlen
- Kreditkartenschäden: Bank übernimmt typisch 100 %
- Konto-Bewegungen: bei nicht-autorisierten Buchungen kein Schaden
- Schufa-Einträge: bei Falschangaben muss Schufa löschen
Was du nicht tun solltest
- Inkasso-Forderungen einfach zahlen, um Ruhe zu haben (das bestätigt die Forderung)
- Selbstanzeige bei Polizei (du bist Geschädigter, kein Täter)
- In Inkasso-Schreiben angegebene Telefonnummern anrufen
- Persönliche Daten nochmal versenden, um „zu verifizieren“
- Auf E-Mails mit „neue Informationen zu Ihrem Fall“ klicken
Zeit-Plan
Realistische Erwartungen:
- Erste Woche: Anzeige, Beweise sichern, Schufa prüfen, eigene Konten sichern
- Erste Monate: Anfechtungen verschicken, Schufa-Löschungen, Inkasso-Widersprüche
- Erste 6-12 Monate: oft noch Folgen, neue Einträge tauchen auf, dann erneut handeln
- Nach 1-2 Jahren: oft Beruhigung, aber Wachsamkeit weiter nötig
Präventive Maßnahmen nach Vorfall
- Schufa-Selbstauskunft jährlich
- Push-Benachrichtigungen für alle Konten
- MFA überall
- Posteingang und E-Mails regelmäßig prüfen
- Bei verdächtigen E-Mails sofort handeln
- Datenschutz im Alltag: weniger persönliche Daten preisgeben
Psychologische Folgen
Identitätsdiebstahl ist nicht nur finanziell, sondern auch psychologisch belastend - Gefühl der Verletzlichkeit, Misstrauen, Wachsamkeit. Mehr in Psychologische Folgen von Betrug.
Bei anhaltenden Belastungen: professionelle Hilfe nicht zögern.
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Bei akuter Betroffenheit: Polizei 110 oder Sperr-Hotline 116 116. Bei IT-Sicherheits-Fragen im Unternehmen hilft SEO NW.
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